Alternative
Leistungsbeurteilung an der VS Arzl
Dieser Schulversuch läuft an unserer Schule
seit 1993.
Alternative Leistungsbeurteilung heißt im
folgenden Verzicht auf eine herkömmliche Notengebung. Statt dessen wird ein
Beobachtungsheft, in Form eines Lehrziel-Kataloges geführt, in dem der
individuelle Lernfortschritt eines Kindes festgehalten wird . Zweimal jährlich
werden Eltern und Kind in einem verpflichtenden Gespräch mit dem Lehrer über den
Lernfortschritt und /oder eventuelle Mängel informiert. Am Ende des zweiten
Schuljahres erhalten sie ein Zeugnis ohne Noten mit dem Berechtigungs- bzw.
Nichtberechtigungsvermerk zum Aufsteigen.
Annahmen, die durch diesen Schulversuch
überprüft werden sollen:
1. Ein Wegfall der Noten bewirkt kein
Absinken der Lernwilligkeit und der damit verbundenen Leistung.
Es genügt ein Blick in ein Klassenzimmer, wo Erstklassler handelnd Lernen, um zu
sehen, mit wie viel Begeisterung, Konzentration, Eifer und Erfolg sie einzeln,
zu zweit oder in Kleingruppen arbeiten.
2. Durch diese Form wird eine individuelle Beurteilung ermöglicht.
Da die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten die Lehr/Lernziele erreichen und dies
auch so im Beobachtungsheft vermerkt wird, werden die Kinder ihrem Lerntempo und
Fähigkeiten gemäß beurteilt.
3. Jedes Kind kann Entwicklungsrückstände ohne Notendruck aufholen.
Weniger geförderte oder begabte und entwicklungsverzögerte Kinder werden nicht
durch eine schlechte Note für ihr " schlechtes Können" demotiviert.
4. Die Information, die die Eltern über ihr Kind erhalten, ist adäquater
und differenzierter als bei der Ziffernbenotung.
Wie viel sagt "Gesamtbeurteilung : Gut " über die Leistungen, die Fortschritte
eines Schulanfängers aus?
5. Die Zusammenarbeit Schule - Eltern wird intensiviert und dadurch mehr
Verständnis von beiden Seiten für das Kind erreicht. Durch die Möglichkeit für
das Kind bei den Beurteilungsgesprächen dabei zu sein wird es
6. zu einem ernst genommenen Partner.
Bei der Führung dieser Gespräche lernen die Gesprächspartner einander in einer
bestimmten Rolle besser kennen und verstehen. Das Kind erhält die ihm zustehende
Bedeutung als Schüler und damit als Hauptperson.
7. Da ein direkter Vergleich von Leistungen wie bei Ziffernnoten nicht
mög-
lich ist ,vermindert sich das Konkurrenzverhalten zwischen den Schülern.
Schüler äußern sich nicht mehr:".....ich habe so viele Einser.." sondern
".....ich rechne schon bis 100..."
8. Ausgehend vom differenzierenden und individualisierenden Unterricht
über die individuelle Beurteilungsform rücken Selbstvertrauen, Toleranz und
Kritikfähigkeit mehr ins Bewusstsein von Lehrern und Schülern.
An der VS Arzl ist diese Art der Beurteilung
schon so üblich, dass sich nur vereinzelt Eltern dagegen aussprechen. Auch ein
Zeugnis in der ersten Klasse fehlt niemandem mehr.
Immer wieder gibt es Anfragen von Eltern und Lehrern diesen Schulversuch auch
auf die nächsten Klassen auszuweiten. Da aber der Notendruck der weiterführenden
Schulen schon bis zum Notenzeugnis der dritten Klasse zurück reicht, ist es
notwendig die Kinder auch mit diesem Beurteilungssystem vertraut zu machen.
Schüler und Eltern müssen lernen, was eine Note "Wert ist ". Dies erfährt das
Kind über die Rückmeldungen, die der Lehrer während des Unterrichts gibt, um
auch in der Grundstufe II den Lernprozess zu unterstützen.
Die Frage "Wie viele Noten braucht ein Mensch ? " stellt sich aber ,oder gerade
deswegen trotzdem.
Im Herbst des Schuljahr 2003/04 begann eine
Evaluierung dieses Schulversuches im Rahmen einer Diplomarbeit am
Psychologischen Institut.( Publikation siehe: Frank D. (2008)Schulerfolg und
Selbstkonzepte. Erziehung und Unterricht, Heft 5-6,s.452-460)
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