Zeitleiste - Propaganda

früher

  1933   1935   1937   1939   1941   1943   1945  

  1932   1934   1936   1938   1940   1942   1944  

später

Quellen

   
     
1920   In leidenschaftlichen Reden - zumeist abgehalten in lärmenden Bierhallen - appellierte Hitler als "Heilsbringer" und "Trommler für die nationale Sache" mit schlagkräftigen Parolen an die Emotionen seiner Zuhörer, von denen rund ein Viertel Frauen waren. Wie keine zweite Partei verstand es die NSDAP, durch pausenlose, geschickt inszenierte Aufmärsche ihres Wehrverbands Sturmabteilung (SA) mit Fahnen und Uniformen eine für viele Menschen verführerische Faszination auszuüben. Provokationen, einprägsame Plakate und Symbole wie das Hakenkreuz als Parteiabzeichen oder das dem linken politischen Gegner entliehene Rot als auffällige Leitfarbe waren zentrale Bestandteile der NS-Propaganda.
1923 Wichtiges Agitationsinstrument war die parteieigene Wochenzeitung "Völkischer Beobachter", die ab Februar 1923 als Tageszeitung erschien. Nach dem Verbot der NSDAP infolge des Hitler-Putsches im November 1923 mußte auch der "Völkische Beobachter" sein Erscheinen bis zur Neugründung der Partei am 26. Februar 1925 einstellen.
08.02.1923   Der nationalsozialistische "Völkische Beobachter" wird in eine Tageszeitung umgewandelt. Hauptschriftleiter ist Dietrich Eckart.
14.07.1923   Die NSDAP nutzt das 13. Deutsche Turnfest in München zu einer Großkundgebung. Adolf Hitler fordert die Wiederherstellung der "deutschen Ehre und Freiheit" sowie die Außerkraftsetzung des Versailler Vertrags. Die anschließende Demonstration der NSDAP wird von der Polizei gesprengt.
     
1924   Die NS-Propaganda konzentrierte sich auf wenige, ständig wiederholte Schlagworte und prägnante Losungen, und sie richtete sich vornehmlich an die breite Masse. Unterschiedliche Bevölkerungskreise wurden mit unterschiedlichen Methoden angesprochen, aber stets sollte die Propaganda "die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse" finden - wie Adolf Hitler 1924 in "Mein Kampf" betonte. Nicht Argumentationen, sondern der Appell an die Emotionen stand bei der NS-Propaganda im Vordergrund - einen Aspekt, den ansonsten nahezu alle Parteien in der Weimarer Republik vernachlässigten. Unermüdlich agierte die NS-Propaganda auch zwischen den Wahlen. Sie beschwor Katastrophen sowie die "nationale Schmach" des Versailler Vertrags und weckte so die Ängste und den Hass der Menschen. In Schwarz-Weiß-Manier wurden mit Demokraten, Kommunisten und Juden Feindbilder stilisiert, denen die Nationalsozialisten die Verantwortung für die politischen und ökonomischen Schwierigkeiten zuordneten.
     
24.04.1925   Mit einer Wahlkampfansprache Hindenburgs wird erstmals der Rundfunk als Propagandamedium genutzt.
     
14.01.1930   In seiner Wohnung in Berlin-Friedrichshain wird der SA-Sturmführer Horst Wessel (1907-1930) beim Überfall eines kommunistischen Kommandos niedergeschossen. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) stilisiert ihn als Verfasser des "Horst-Wessel-Lieds" ("Die Fahne hoch") zum Märtyrer. Wessel stirbt am 23.02.30.
     
17.07.1931   Hindenburg erlässt eine Notverordnung über das Pressewesen, mit der Zeitungsverbote leichter als bisher durchgesetzt werden können.
     
     
   
1932    
15.02.   Nach Angaben des Reichsarbeitsministeriums sind in Deutschland 6,127 Millionen Menschen arbeitslos. Jeder dritte Arbeitnehmer ist ohne Beschäftigung. Die katastrophale wirtschaftliche Lage der meisten Arbeitslosen und Kurzarbeiter führt zu zunehmender Unzufriedenheit mit der Republik.
24.02.   Im Vorfeld der Reichspräsidentenwahl führt die NSDAP ein neues Propagandamittel ein: Rund 50.000 Schallplatten mit Reden Hitlers werden in mehreren Städten verteilt.
31.03.   Die Filmprüfstelle in Berlin verbietet die Freigabe des sozialkritischen Films "Kuhle Wampe" von Slatan Dudow (1903-1963) und Bertolt Brecht wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung=kommunistischer Agitation".
13.06.   Reichsinnenminister Wilhelm Freiherr von Gayl (1879-1950) erlässt eine Verordnung, nach der die Reichsregierung täglich eine Stunde Sendezeit im Rundfunk erhält.
14.06.   In der ersten Rundfunkrede eines Nationalsozialisten, die auf Anweisung der Reichsregierung übertragen wird, verkündet der Reichsorganisationsleiter der NSDAP, Gregor Strasser: "Wir wollen keine Judenverfolgung, aber deutsche Führung ohne jüdischen Geist. (...) Wir scheuen den Krieg als letztes Mittel nicht und verlangen (...) die Wiederherstellung der deutschen Ehre."
18.07.   Die Reichsregierung erlässt ein Verbot aller Demonstrationen unter freiem Himmel.
01.10.   Die NSDAP veranstaltet in Potsdam einen "Reichsjugendtag", an dem rund 110.000 Menschen teilnehmen.
     
     
   
1933    
30.01.   Als Reichstagspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Kanzler ernannte, fand damit formal gesehen ein weiterer ganz legaler Regierungswechsel der Weimarer Republik statt, der nur von der NS-Propaganda als "Machtergreifung" gefeiert wurde.
Aus Anlass der Machtübernahme Hitlers paradieren in Berlin etwa 15.000 Mitglieder von SA, Schutzstaffel (SS), und "Stahlhelm" mit einem Fackelzug durch das Brandenburger Tor. Die KPD ruft zum Generalstreik auf.
10.02.   Mit der Übertragung ihrer Kundgebung zum Wahlkampfauftakt benutzt die NSDAP den Rundfunk gezielt als Propagandamittel.
20.02.   Göring lädt führende Wirtschaftsvertreter zu einem Geheimtreffen mit Hitler ins Palais des Reichstagspräsidenten. Zu den 25 Teilnehmern zählen der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, der Bankier Kurt von Schröder (1889-1966) und die Industriellen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und Albert Vögler sowie weitere Repräsentanten der Schwerindustrie, des Bergbaus und der Banken. Hitler präsentiert seinen Gästen sein politisches Programm, das sie begeistert begrüßen. Als Reaktion spenden sie der NSDAP drei Millionen Reichsmark für den laufenden Reichstagswahlkampf.
27.02.   Abends bricht im Reichstagsgebäude ein Brand aus, der fast den gesamten Mittelteil des Gebäudes und den Plenarsaal zerstört. Direkt nach dem Brand erklärt Göring, der festgenommene Niederländer Marinus van der Lubbe habe im Auftrag der KPD das Feuer gelegt. Es folgen zahlreiche politisch motivierte Verhaftungen. Vor allem Mitglieder der KPD und Juden werden verfolgt.
28.02.   Hindenburg unterzeichnet Notverordnungen, die mit sofortiger Kraft die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit noch weiter einschränken und der Polizei weit reichende Befugnisse einräumen. Der "Vorwärts", die Parteizeitung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), wird vorläufig verboten.
05.03.   Bei den Reichstagswahlen erreicht die NSDAP trotz massiver Propaganda und Terrors 43,9 Prozent der Stimmen und verfehlt die für sicher gehaltene absolute Mehrheit. Die SPD erhält 18,3 Prozent, die KPD 12,3 Prozent, das Zentrum 11,2 Prozent und die als Kampffront Schwarz-Weiß-Rot angetretene DNVP 8 Prozent. Die gleichzeitigen Wahlen zum preußischen Landtag haben ein ähnliches Ergebnis.
10.03.   Am 10. Mai 1933 folgte die Bücherverbrennung. Als Höhepunkt der Kampagne "Wider den undeutschen Geist" verbrannten Studenten in vielen deutschen Universitätsstädten "undeutsches Schrifttum".
In vielen deutschen Universitätsstädten wurde am 10. Mai 1933 "undeutsches Schrifttum" verbrannt. Diese makabren Veranstaltungen waren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Höhepunkt der Kampagne "Wider den undeutschen Geist", die vom Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft vorbereitet worden war.
Unter Beteiligung von Rektoren und Professoren verbrannten auf riesigen Scheiterhaufen u.a. die Bücher von Karl Marx , Heinrich Heine, Sigmund Freud, Thomas Mann, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Bertolt Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky und Alfred Kerr.
So genannte “Feuersprüche” rufend, wurden Bücher ins Feuer geworfen. Einer dieser Sätze soll uns als Beispiel für alle anderen genügen: „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.“
13.03.   Joseph Goebbels, der um Hitler einen pompösen »Führerkult« entfaltete, leitete das am 13.03.1933 eingerichtete Propagandaministerium (offizielle Bezeichnung: »Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda«). Hier wurde festgelegt, was im Radio gesendet und in den Zeitungen geschrieben werden durfte.
Die Reichspropagandaämter und der Sicherheitsdienst (SD) der SS, berichtetem dem Ministerium regelmäßig über die Einhaltung der Richtlinien und die Stimmung in der Bevölkerung. Schrifttum, Presse, Theater, Rundfunk, Musik, Bildende Kunst und Film unterstanden der totalen Kontrolle von Goebbels; zementiert wurde dies mit dem »Reichskulturkammergesetz« vom 22.09.1933. Zu jedem wichtigen politischen Ereignis gab das Propagandaministerium »Sprachregelungen« für die Berichterstattung heraus.
21.03.   Zur Eröffnung des neuen Reichstags inszenieren die Nationalsozialisten den "Tag von Potsdam", auf dem sich Hitler in die Kontinuität der preußischen Könige zu stellen versucht. Die Teilnahme Hindenburgs soll die Verbindung vom "alten und neuen Deutschland" symbolisieren und so das Ansehen der Regierung Hitler erhöhen.
April   Im April verfügte die Reichspressekammer die "Konzentration" der deutschen Presse. Dies bedeutete die Übernahme bürgerlicher Verlage durch die NS-Presse. Aufgekauft bzw. stillgelegt wurden auf diese Weise die Zeitungskonzerne von Huck, Girardet, Leonhardt und teilweise Hugenberg. Nach dieser Aktion betrug der Anteil der Zeitungen in privater Hand nur noch ein Drittel der Gesamtauflage. Die NSDAP-Presse druckte 13,2 Mio. der 19,8 Mio. Zeitungen, die täglich in Deutschland erschienen.
Mit dem so genannten "Schriftleitergesetz" wurden Journalisten quasi zu öffentlichen Amtsträgern erhoben. Damit waren sie vom Weisungsrecht ihres Verlegers befreit, aber an die viel härtere Kandare des NS-Staates genommen: die Berufsausübung wurde von gesetzlich verordneter Konformität abhängig gemacht. Von der Reichsregierung wurde vorgeschrieben über was, wie und in welcher Form zu berichten war und über was nicht berichtet werden durfte. Die Sprachregelungen gingen ins letzte Detail.
01.05   Auf Weisung der Reichsregierung wird der 1. Mai zum "Feiertag der nationalen Arbeit". Die Einführung des seit langem von der Arbeiterbewegung geforderten Feiertags soll über die einsetzende Zerschlagung der Gewerkschaften hinwegtäuschen.
04.10.   Gleichschaltung der Presse - Die "Gleichschaltung" verschiedener staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen war ein entscheidender Schritt auf dem Weg der Errichtung einer totalen Diktatur durch die Nationalsozialisten.
Der Rundfunk, schon vor der Machtübernahme Staatsorgan, war ohne Probleme auf die nationalsozialistische Linie gebracht worden und war nun das wirkungsvollste Propagandamittel von Minister Goebbels. Schwieriger war es, die vielfältige deutsche Presselandschaft zu beherrschen. Die NS-Presse hatte zum Zeitpunkt der Machtübernahme einen nur verschwindend kleinen Anteil an der deutschen Presselandschaft, zu der rund 3.400 Tageszeitungen gehörten. Schon im Frühjahr 1933 übernahmen die NS-Verlage die Zeitungen ihrer sozialdemokratischen und kommunistischen Konkurrenz und am 04. Oktober 1933 wurde die deutsche Presse "gleichgeschaltet".
10.05.   Die Deutsche Studentenschaft organisiert Bücherverbrennungen von Werken oppositioneller und jüdischer Autoren. Wie in Berlin werden in den folgenden Tagen vor allem in den Universitätsstädten zahlreiche Bibliotheken "gesäubert".
18.08.   Bei der Eröffnung der Funkausstellung in Berlin präsentiert Propagandaminister Goebbels den Volksempfänger. Der „Volksempfänger“ war die Sensation auf der 10. Großen Deutschen Funkausstellung, die Reichspropagandaminister Josef Goebbels am 18. August 1933 in Berlin eröffnete. Bis zum Jahresende wurde das Gerät 860.000 mal verkauft. Durch die rasche Verbreitung wurde der 76 Reichsmark teuere Apparat zum wirksamen Propagandainstrument des Staates.
1932 wurde der Rundfunk zentralisiert und dem Staat unterstellt, was sich die Nationalsozialisten gleich nach Hitlers Machtergreifung nutzbar machten. Die Gleichschaltung des Rundfunks verlief viel schneller als die der Presse, weil diese aufgrund der vielen Einheiten nur sehr schwer gleichzuschalten war. "Ganz Deutschland hört den Führer mit dem Volksempfänger", lautete die Parole der Nationalsozialisten.
Allein im Jahr 1933 wurden 50 Hitlerreden übertragen. Die wichtigste Richtlinie Joseph Goebbels lautete, dass das Gerät im gesamten Reichsgebiet den sicheren Empfang des Bezirkssenders und den zusätzlichen Empfang des Deutschlandsenders gewährleisten sollte. Ansonsten sollte aber nichts empfangen werden. Ausländische Sender waren verboten. Im Volk kursierte deshalb bald dieser Witz: "Welcher Unterschied besteht zwischen einem Volksempfänger und einem Großradio? Mit dem ersten hört man Deutschland über alles, mit dem anderen alles über Deutschland."
Auch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war mit dem Rundfunk verbunden, weil der angebliche polnische Überfall auf den Rundfunksender Gleiwitz hierfür zum Anlass genommen wurde. Tatsächlich war der Überfall aber vom Reichssicherheitshauptamt durch die SS inszeniert worden. Am 1. September 1939 sendeten alle deutschen Reichssender um 6 Uhr einen Aufruf Hitlers an die Wehrmacht: ,,Um diesem wahnwitzigen Treiben ein Ende zu bereiten, bleibt mir kein anderes Mittel, als von jetzt ab Gewalt gegen Gewalt zu setzen."
01.09.   Den Reichsparteitag in Nürnberg nutzt die NSDAP zur propagandistisch effektvollen Machtinszenierung. Leni Riefenstahl dreht darüber den Dokumentarfilm.
23.09.   Bei Frankfurt (Main) wird mit einer Großveranstaltung der Reichsautobahnbau offiziell begonnen. Die Planungen gehen auf das Jahr 1924 zurück.
01.10.   Zugunsten des kurz zuvor gegründeten Winterhilfswerks (WHW) fand am 1. Oktober 1933 der erste Eintopfsonntag im Deutschen Reich statt. Während des NS-Regimes wiederholte er sich jeweils am ersten Sonntag der Monate Oktober bis März. Die Bevölkerung und die Restaurants waren auf Anordnung der Reichsregierung verpflichtet, nur einfache Eintopfgerichte zu verzehren bzw. anzubieten, deren Preis pro Kopf eine halbe Reichsmark nicht überschreiten sollte. Der Differenzbetrag zum höheren Preis einer gewohnten Sonntagsmahlzeit sollte dem WHW gespendet werden.
Mitarbeiter der NS-Volkswohlfahrt (NSV) < Keinen Raum nahm die Fürsorge für Juden ein. Sie fielen ebenso durch das soziale Netz wie Alkoholiker, entlassene Sträflinge und "Asoziale", die als "Hoffnungslose Fälle" keinen Wert für das von den Nationalsozialisten propagierte "gesunde Volk" besaßen. Zehntausende als erbbiologisch minderwertig diffamierte Behinderte fielen als "Ballastexistenzen" ab Oktober 1939 den Mordaktionen im Rahmen der "Euthanasie" zum Opfer> nahmen die Spenden in den Haushalten entgegen, die zu verweigern sich kaum jemand getraute. Die Haussammlung erbrachte im Winter 1935/36 über 31 Millionen Reichsmark. Allein in Berlin sammelten im Oktober 1935 rund 75.000 Helfer 375.000 Reichsmark für das WHW.
04.10.   Mit dem Schriftleitergesetz wird die gesamte Presse in Deutschland "gleichgeschaltet". Der Zeitungsbesitz wurde durch schikanöse Verordnungen rasch zum überwiegenden Teil in die Hände von NSDAP-Leuten übergeführt. Zudem wurde alles, was täglich in den Medien erschien, durch ein System von schriftlichen Anweisungen gelenkt. Auf "Pressekonferenzen" wurden Direktiven und "Vertrauliche Informationen" für leitende Journalisten ausgegeben. Machte ein Journalist, der per Gesetz ab 1938 auch in Österreich "Schriftleiter" hieß und in einer beamtenähnlichen Stellung dem NS-Staat verpflichtet war, trotzdem einen Fehler, so musste er sich vor einem Berufsgericht verantworten.
05.10.   Für die Olympischen Spiele 1936 billigt Hitler den Bau großzügiger Wettkampfstätten und des Olympiastadions in Berlin. Er will die Spiele zur Propaganda für den Nationalsozialismus nutzen.
15.10.   In München wird der Grundstein für den ersten Monumentalbau der Nationalsozialisten, das Haus der Deutschen Kunst, gelegt.
26.10.   In der "Vossischen Zeitung" wird ein von 88 deutschen Schriftstellern unterzeichnetes Treuegelöbnis für Hitler veröffentlicht.
15.11.   Gründung der Reichskulturkammer unter Goebbels` Führung. Damit werden alle Kulturschaffenden der Aufsicht des Reichspropagandaministers unterstellt.
27.11.   Die am 27. November 1933 gegründete NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) war die populärste Organisation im NS-Regime. Das Volkswagen-Projekt sowie Nah- und Fernreisen gehörten zu den wichtigsten Aktivitäten der Freizeitorganisation KdF, einer Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF).
Das von der NS-Propaganda stark herausgestellte "Prunkstück" von KdF war ihr Reiseprogramm. 43 Millionen Reisen verkaufte KdF bis 1939, überwiegend Tagesausflüge.
13.12.   Die Reichspressekammer untersagt für zunächst drei Monate die Gründung neuer Zeitungen und Zeitschriften.
31.12.   Goebbels hält die Silvesteransprache.
     
     
   
1934    
1934   Die Wochenschau wurde in der Regel vor dem Hauptprogramm gezeigt und war beim Kinopublikum sehr beliebt. Aufgrund ihrer Aktualität und der durch die Bilder vermittelten Authentizität wurde sie nach 1933 rasch zu einem wirksamen Instrument der nationalsozialistischen Propaganda. Besonders in der Phase der Kriegsvorbereitung und während des Krieges selbst war die Wochenschau mehr noch als Rundfunk und Presse das wichtigste Instrument psychologischer Massenbeeinflussung.
28.02.   Propagandaminister Joseph Goebbels empfängt in Berlin zahlreiche ausländische Pressevertreter und wirbt um Verständnis für die nationalsozialistische Regierung.
21.03.   Hitler ruft anlässlich einer Baustelleneröffnung der Reichsautobahn bei München vor 10.000 Anwesenden zur "Arbeitsschlacht" auf. Die verstärkte Nutzung von Begriffen aus dem militärischen Sprachgebrauch spiegelt die fortschreitende Militarisierung im NS-Staat.
28.03.   Die Rundfunkanstalten der Länder werden "gleichgeschaltet" und dem Propagandaministerium angeschlossen.
01.05.   Die deutsche Regierung nutzt den von ihr 1933 eingeführten Feiertag zu einer gigantischen Propagandaschau, bei der Hitler in Berlin-Tempelhof vor einem Millionenpublikum spricht.
27.05.   In Dresden eröffnet Hitler die erste deutsche Theaterwoche mit der Wagner-Oper "Tristan und Isolde". Zwölf Tage zuvor wurden alle Theater dem Propagandaministerium unterstellt.
10.06.   Der Ullstein-Verlag wird über eine Tarngesellschaft vom Propagandaministerium aufgekauft.
17.06.   In seiner "Marburger Rede" wendet sich der deutsche Vizekanzler Franz von Papen gegen die revolutionären Ziele der Nationalsozialisten. Zahlreiche Konservative stützen den Vorstoß von Papens, darunter auch Präsident Paul von Hindenburg. Die Veröffentlichung der Rede wird sofort verboten. Geschrieben ist die Rede von Edgar Julius Jung
23.06.   Mit großem Propagandaaufwand wird in Berlin eine Sonnenwendfeier veranstaltet. Langfristig will die NSDAP christliche Feiern und Riten in den Hintergrund drängen.
23.06.   Jung wird wegen der von ihm verfassten "Marburger Rede" von Papens, gehalten am 17. Juni, welche die konservative Kritik am Nationalsozialismus deutlich artikulierte, verhaftet.
30.06.   Juni: Während des Röhm-Putsches wird Edgar Jung in Oranienburg erschossen.
30.06.   Hitler lässt seinen SA-Stabschef und langjährigen Freund Ernst Röhm sowie andere hoch stehende SA-Führer in einer vorbereiteten Aktion verhaften und ermorden. Als Vorwand für die Liquidierung der Führung der Sturmabteilung (SA), die auf eine "zweite Revolution" drängt, wird eine geplante Revolte genannt, der "Röhm-Putsch". Im Zusammenhang mit dem "Röhm-Putsch" werden insgesamt etwa 200 Oppositionelle ermordet, unter ihnen Gregor Strasser, Gustav Ritter von Kahr und General Kurt von Schleicher. Die SA verliert an Bedeutung, die Reichswehrführung unterlässt Proteste gegen die Ermordung von zwei Generalen.
05.08.   In einem Interview mit der "Daily Mail" schließt Hitler einen Krieg gegen Großbritannien als "Verbrechen gegen die eigene Rasse" aus.
26.08.   Auf einer "Treuekundgebung" bezeichnet Hitler das unter französischer Verwaltung stehende Saargebiet als "einzige Territorialfrage zwischen Frankreich und Deutschland".
01.09.   Reichsbankpräsident Schacht fordert einen internationalen Zahlungsaufschub für die Schulden des Deutschen Reichs. Außerdem spricht er sich für die Beschränkung von Rohstoffimporten aus.
04.-10.09.   Auf dem VI. Reichsparteitag erklärt Hitler den Abschluss der "nationalsozialistischen Revolution". Neues Ziel der NSDAP sei die Schaffung einer Führerelite.
16.10.   Die Bezeichnung "Führer" wird ausschließlich auf die Person Hitlers festgelegt.
Herbst   Im Herbst 1934 befanden sich rund 1.500 Autobahnkilometer im Bau.
Der Autobahnbau, größtenteils finanziert durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und unter der Verantwortung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen Fritz Todt stehend, wurde als Beitrag zur Verringerung der Arbeitslosigkeit propagiert, doch dieses Ziel wurde nur bedingt erreicht. Die höchste Beschäftigungszahl gab es im Jahr 1936, als rund 120.000 Arbeiter an den Trassen eingesetzt waren. Auch die beteiligten Zulieferbetriebe brachten nicht den arbeitspolitischen Effekt, den die NS-Propaganda versprochen hatte. Ab 1935 wurden kleinere Autobahnteilstücke fertig gestellt, das erste im Mai von Frankfurt nach Darmstadt. Von den geplanten 6.900 km waren bis 1945 rund 3.800 km gebaut.
     
     
   
1935    
03.01.   Mit einer Versammlung sämtlicher Partei- und Staatsführer in Berlin demonstriert die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) Geschlossenheit. Sie will damit von inneren Machtkämpfen ablenken.
23.03.   In Berlin wird die groß angelegte Ausstellung "Das Wunder des Lebens" eröffnet, in der die NS-Rassentheorie dargestellt wird.
28.03.   Uraufführung von Leni Riefenstahls Dokumentarfilm "Triumph des Willens" über den Nürnberger Reichsparteitag von 1933.

Über den NS-Parteitag dreht Riefenstahl "Triumph des Willens". Sie setzt dafür 16 Kamerateams mit über 100 Mitarbeitern ein. Aus mehr als 60 Stunden Filmmaterial entsteht einer der bekanntesten und wirkungsvollsten Propagandafilme überhaupt. Riefenstahl hebt die Solidarität der Parteibasis zum NS-Regime durch einen vielfältigen Bilderrhythmus heraus, wofür sie die chronologische Reihenfolge der Ereignisse aufbricht. Durch spezielle Kameraeinstellungen und ungewöhnliche Schnitte werden die führenden Nationalsozialisten vor der von Albert Speer gestalteten Kulisse in eine mythische Atmosphäre gerückt. Die Ausdruckskraft von Symbolen wie dem Hakenkreuz, Flaggen und dem Reichsadler werden durch Licht- und Musikeffekte betont. Riefenstahls Film wird mit dem Deutschen Filmpreis und mit der Goldmedaille in Venedig ausgezeichnet.
23.-24.06.   Unter staatlicher Leitung finden in ganz Deutschland etwa 25.000 Sonnenwendfeiern statt.
01.09.   Mit dem Start des "Olympiazugs" zu einer Werbefahrt durch 70 deutsche Städte beginnt die groß angelegte Propagandakampagne für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.
19.10.   Eröffnung des "Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands". Das Institut soll die NS-Weltanschauung in der Geschichtsschreibung umsetzen.
01.11.   Der erste Rekrutenjahrgang tritt zur Ableistung seines einjährigen Militärdienstes an. Die gleichgeschaltete Presse feiert dies als großen Erfolg.
29.11.   In Berlin wird die neu errichtete Deutschlandhalle mit Platz für 20.000 Personen eingeweiht.
07.12.   In Nürnberg wird das 100jährige Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland gefeiert.
     
     
   
1936    
17.01.   Propagandaminister Joseph Goebbels erklärt die Lebensmittelknappheit im Deutschen Reich für belanglos, weil "man zur Not auch einmal ohne Butter, nie aber ohne Kanonen auskommen" könne.
01.05.   Den Maifeiertag begehen viele deutsche Städte mit propagandistischen Massenkundgebungen. Alle Brautpaare erhalten ab sofort eine Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf".
19.06.   Die Hakenkreuzfahne wird neue deutsche Reichsflagge und ersetzt die 1933 wieder eingeführte Kaiserreichsfahne Schwarz-Weiß-Rot.
01.08.   Hitler eröffnet vor 100.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion die Olympischen Spiele, an denen Sportler aus 49 Nationen teilnehmen. Mit enormem Aufwand werden die Spiele zu einer Propagandaschau für das nationalsozialistische Deutschland. Die Augen der Weltöffentlichkeit ruhen damit auf dem nationalsozialistischen Deutschland. Durch eine geschickte Inszenierung gelingt es Hitler, der gesamten Weltöffentlichkeit das Bild eines friedfertigen, harmlosen Deutschlands vorzuspiegeln.
Die Spiele von Berlin waren die erste, bei denen es Fernsehübertragungen gab. Die Bevölkerung konnte die Wettbewerbe in über zwei Dutzend "Fernsehhallen" in Berlin mitverfolgen.
Hitler empfing alle Tagessieger in seiner Loge, als er an einem Wettkampftag früher aufbrechen musste konnte er einen US-Teilnehmer nicht empfangen. Das olympische Komitee forderte aber eine Gleichbehandlung aller Athleten, daraufhin beschloss Hitler gar keine weiteren Sportler persönlich zu empfangen. Pech für Jesse Owens, der erst nach diesem Termin seine Goldmedaillen holte.
08.09.   Mit einem "Licht-Dom" und einem Aufmarsch von über 100.000 NSDAP-Mitgliedern wird in Nürnberg der Reichsparteitag inszeniert, auf dem Hitler den Kampf gegen die Sowjetunion propagiert.
21.09.   Die Wehrmacht hält ihr erstes großes Manöver nach dem Ersten Weltkrieg ab.
27.09.   Mit der Eröffnung eines Teilstücks bei Breslau sind die ersten 1.000 Kilometer der Reichsautobahn fertig gestellt.
27.11.   In einem Erlass verbietet Goebbels jede Form von "Kunstkritik" und fordert eine reine "Kunstberichterstattung".
01.12.   Die Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend (HJ) ab dem zehnten Lebensjahr wird für Jungen Pflicht.
     
     
   
1937    
25.03.   Das Postministerium kündigt die erste Briefmarke mit Hitler-Porträt an.
19.04.   Reichsjugendführer Baldur von Schirach verkündet bei einer Kundgebung in Westpreußen, dass nach einem siebenwöchigen Propagandafeldzug über 1 Million Jungen und Mädchen in die Hitler-Jugend aufgenommen worden seien.
08.05.   In Düsseldorf wird die Propagandaschau "Schaffendes Volk" in Konkurrenz zur Pariser Weltausstellung eröffnet
19.07.   Die Ausstellung "Entartete Kunst" wurde am 19. Juli 1937 in München eröffnet und zeigte 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen. Bis April 1941 wanderte sie in zwölf weitere Städte. Sie zog über 3 Millionen Besucher an. Die Ausstellung wurde von Joseph Goebbels initiiert und von Adolf Ziegler (1892-1959), dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, geleitet. Gleichzeitig setzte mit der Beschlagnahme von insgesamt rund 16.000 modernen Kunstwerken, die zum Teil ins Ausland verkauft oder zerstört wurden, die "Säuberung" der deutschen Kunstsammlungen ein. Berufsverbote für Künstler und Museumsleute, die moderne Kunst angekauft hatten, oder Hochschullehrer gab es bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seit 1933.
Als "Entartete Kunst" galten im NS-Regime alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit dem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht in Einklang zu bringen waren.
08.11.   Goebbels eröffnet in München die Propagandaausstellung "Der ewige Jude".
     
     
   
1938    
    Ähnlich dem "Reisesparen" war ab 1938 auch der Erwerb des KdF-Wagens von Volkswagen (VW) geregelt. Der Interessent erwarb Woche für Woche Sparmarken, bis die Kaufsumme von 990 Reichsmark erreicht war. Zwei Jahre später hatten bereits 300.000 potentielle Käufer über 280 Millionen Reichsmark angespart, für die sie niemals ein Auto erhielten:
11.02.   Mit einer Großkundgebung wird in Berlin der Reichsberufswettkampf eröffnet, der von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) unter Robert Ley organisiert wird.
18.02.   In seiner Rede zur Eröffnung der Automobil- und Motorradausstellung in Berlin kündigt Hitler den Bau eines Volkswagenwerks an.
27.02.   In Berlin wird die Ausstellung "Entartete Kunst" eröffnet, die in anderer Form bereits in München zu sehen war.
24.05.   Der Vernichtungsangriff auf die Moderne und ihre Protagonisten betraf alle Sparten der Kultur wie Literatur, Film, Theater, Architektur oder Musik. Moderne Musik wie der Swing oder der "Nigger-Jazz" wurden auf der am 24. Mai 1938 eröffneten Ausstellung "Entartete Musik" ebenso rücksichtslos diffamiert wie der "Musikbolschewismus" von international bekannten Komponisten wie Hanns Eisler, Paul Hindemith oder Arnold Schönberg.
26.05.   Vor einem Massenaufgebot von 70.000 Menschen legt Hitler den Grundstein für den Bau des Volkswagenwerks in der Nähe des Dorfs Wolfsburg. Hier soll das größte Automobilwerk der Welt entstehen und ein Auto für die NS-Organisation "Kraft durch Freude", der von Ferdinand Porsche (1875-1951) entwickelte KdF-Wagen, produziert werden.
14.06.   Die Bauarbeiten zur Umgestaltung Berlins durch Monumentalbauten unter der Leitung von Albert Speer beginnen. Speer entwickelt den Generalplan für den Umbau Berlins zur Welthauptstadt "Germania". Er gestaltet eine neue Reichskanzlei und entwirft Modelle für zahlreiche weitere Monumentalbauten und NS-Kultstätten. Hitler verfolgt diese Pläne aufmerksam und bietet Speer unbegrenzten finanziellen Spielraum.
01.08.   Die Sparaktion für den KdF-Wagen wird eröffnet: Mit 5 Reichsmark (RM) pro Woche soll das 990 RM teure Auto für eine breite Käuferschicht attraktiv werden.
02.08.   In der Berliner Deutschlandhalle wird eine Propagandakundgebung anlässlich des Richtfests für den monumentalen Bau der "Neuen Reichskanzlei" begangen.
25.09.   Die tschechoslowakische Regierung lehnt das Ultimatum zur Abtretung des Sudetengebiets ab. Währenddessen nehmen die Schießereien an der Grenze und die Hetzkampagne in der deutschen Presse gegen die Tschechoslowakei zu.
25.10.   Die Deutschen werden über den Rundfunk erstmals über den Bau des Westwalls informiert.
17.11.   An dem propagandistisch inszenierten Staatsbegräbnis für Rath in Berlin nehmen Hitler und die gesamte Führung des NS-Regimes teil. Rath wird von den Nationalsozialisten als Märtyrer und "Blutopfer im Kampf des Weltjudentums gegen das Dritte Reich" stilisiert.
15.12.   Über 3.000 km des Reichsautobahnnetzes sind fertig gestellt. Auch die Strecke Berlin-München ist fertig.
     
     
   
1939    
20.03.  
In Berlin werden Tausende von Kunstwerken als "entartet" verbrannt.
20.04.   Eine vierstündige Parade der Wehrmacht ist Höhepunkt der groß angelegten Feierlichkeiten zu Hitlers 50. Geburtstag.
28.04.   In einer Rundfunkrede kündigt Hitler den Nichtangriffspakt mit Polen und das Flottenbegrenzungsabkommen mit Großbritannien auf. Die polenfeindliche Propaganda setzte unverzüglich ein.
06.06.   In Berlin veranstaltet die aus Spanien zurückgekehrte " Legion Condor" eine Ehrenparade.
30.06.   In Luzern werden zahlreiche Kunstwerke aus deutschen Museen, die von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert worden sind, zu einem Bruchteil ihres Wertes versteigert.
31.08.   Zur Schaffung eines Vorwandes für den Krieg gegen Polen überfallen als polnische Soldaten verkleidete Angehörige des deutschen Sicherheitsdienstes (SD) den Rundfunksender Gleiwitz (Oberschlesien). Über den Rundfunk behaupten sie, Gleiwitz sei von Polen besetzt worden.
14.10.   Ein deutsches U-Boot versenkt im Hafen von Scapa Flow (Orkney-Inseln) das britische Schlachtschiff "Royal Oak". Diese Versenkung wird häufiges Motiv der deutschen Kriegspropaganda.
     
     
   
1940    
    Während des Kriegs entstanden auch eine Reihe nationalsozialistischer Propagandafilme mit eindeutig antisemitischer Hetze wie der 1940 im Ghetto von Lodz gedrehte "Dokumentarfilm" "Der ewige Jude". Veit Harlan drehte ebenfalls 1940 den antisemitischen Spielfilm "Jud Süß" mit Heinrich George und Kristina Söderbaum in den Hauptrollen. Beide Filme beabsichtigten durch Verwendung antisemitischer Stereotype und der These von der jüdischen Weltverschwörung, in der Bevölkerung Zustimmung für verschärfte antisemitische Maßnahmen bis hin zur Deportation von Juden zu erzielen. Der NS-Film "Ich klage an" unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner (1905-1987) propagierte 1941 rassenhygienische Ideale und versuchte, die "Euthanasie" an kranken und behinderten Menschen zu rechtfertigen.
02.02.   Propagandaminister Joseph Goebbels erklärt den Film zu einem wichtigen Instrument der Moralsteigerung während des Kriegs. Deshalb dürften Filme nicht intellektuell sein.
10.05.   Am 10. Mai 1940 sind in Landsberg bei Augsburg 45 deutsche Flugzeuge gestartet, um einen Flugplatz bei Dijon zu bombardieren. Ergebnis: 57 Tote, darunter 22 Kinder. Allerdings nicht in Dijon, sondern in Freiburg im Breisgau. Die Piloten hatten sich verflogen und die falsche Stadt bombardiert. Die NS-Propaganda schob sofort den Alliierten die Schuld in die Schuhe, und Goebbels bezeichnete diesen Zwischenfall als Beginn der "Terrorluftangriffe". Der Angriff dient später zur Rechtfertigung des Bombenkriegs gegen Großbritannien.
05.09.   Im Rahmen einer Filmwoche wird in Venedig der antisemitische Film "Jud Süß" von Veit Harlan uraufgeführt.
Oktober   Die von der NSDAP mit großem Aufwand betriebene Werbung für den Volkswagen, auch KdF-Wagen genannt, entpuppt sich zunehmend als geschickt getarnter Schwindel. Zwei Blätter in Wien und Linz berichten, dass die von der Bevölkerung geleisteten Sparbeiträge für einen eigenen KdF-Wagen wegen des Kriegs zum Bau von Militärfahrzeugen genutzt wurden.
15.10.   In New York wird Charlie Chaplins Film "Der große Diktator", eine Parodie auf Hitler, uraufgeführt.
21.11.   Die bisher von vier Gesellschaften produzierten Wochenschauen werden zur "Deutschen Wochenschau" unter der Kontrolle von Goebbels zusammengefasst.
28.11.   Der antisemitische Propagandafilm "Der ewige Jude" wird in Berlin vorgestellt.
     
     
   
1941    
25.03.   Der nationalsozialistische Chefideologe Alfred Rosenberg eröffnet in Frankfurt (Main) das "Institut für die Erforschung der Judenfrage".
22.08.   Alle niederländischen Kinos werden zur Aufführung des antisemitischen Propagandafilms "Der ewige Jude" verpflichtet.
17.09.   Im Deutschen Reich werden erstmals Todesurteile für das Hören ausländischer Rundfunksender verhängt.
09.10.   Die NSDAP erklärt gegenüber Pressevertretern, dass "die militärische Entscheidung im Osten gefallen" sei.
     
     
   
1942    
10.01.   Die wieder gegründete Universum-Film AG (Ufa) fasst als Dachgemeinschaft alle deutschen Filmgesellschaften zusammen.
04.07.   Propagandaminister Joseph Goebbels eröffnet in München die 6. Große Deutsche Kunstausstellung mit Werken von 680 Künstlern.
     
     
   
1943    
18.02.   In einer Rede im Berliner Sportpalast verkündet Propagandaminister Joseph Goebbels den "Totalen Krieg". Seine Rede findet Beifall.
Mai   In der Presse und in anderen Medien wird die Hasspropaganda gegen alliierte Flieger forciert. Dabei greift die NS-Führung zunehmend auf ideologische und rassische Konstruktionen zurück.
"Wie kann man von Menschen Achtung vor fremden Kulturdenkmälern erwarten, die selbst keine Kultur kennen, deren Helden Gangsterkönige und betrügerische Negerboxer sind. [...] Das ist derselbe Schlag Mensch, der aus den USA über den Ozean herübergekommen ist, um durch Bombenterror den Ländern Mitteleuropas die Kultur zu bringen. Die Janhagel, ob weiß oder schwarz, sitzt in Roosevelts Flugzeugen. Dieser Mob ist kulturunfähig und wird es bleiben. [...] Aus dieser Horde, vermehrt um die Elite der Zuchthäuser, rekrutiert sich die Knüppelgarde des USA-Imperialismus."
[Berliner-Lokalanzeiger v. 1.8.1943]

"Das fliegende Personal der gegnerischen Luftwaffen rekrutiert sich bei der englischen Luftwaffe vorwiegend aus den Adelsschichten und sonstigen gehobenen Kreisen. Im Gegensatz dazu entstammen die amerikanischen Flieger fast ausschließlich den niederen Volksschichten. Jeder der eingesetzten Piloten verpflichtet sich für 30 Feindeinsätze. Er wird dafür mit je 5-600 Dollar abgefunden".
[Generalfeldmarschall Eberhart Milch, Generalinspekteur der deutschen Luftwaffe, am 10.1.1944 auf der Tagung von Gau- und Kreispropagandaleiter in Berlin; StadtA Oberhausen, Akten der NSDAP 2, T. II]
27.05.   In Paris verbrennen die deutschen Besatzer rund 500 Kunstwerke, darunter Bilder von Paul Klee, Max Ernst und Pablo Picasso.
08.11.   In einer Rundfunkansprache fordert Hitler ein rigoroses Vorgehen gegen Defaitisten und Kriegsgegner.
14.12.   Bei einer Tagung der Reichspropagandaämter erklärt Goebbels, dass der alliierte Bombenkrieg die Widerstandskraft der deutschen Bevölkerung nur stärke.
     
     
   
1944    
01.03.   Mit der "Verlags-Sperrliste" gibt die Reichspressekammer ein Verbot zahlreicher deutscher Verlage bekannt, unter ihnen Brockhaus, Westermann und Goldmann.
19.03.   Hitler gibt einer schwedischen Zeitung sein letztes öffentliches Interview.
14.07.   Das Fotografieren von "Luftkriegsschäden" wird verboten.
31.12.   Hitler hält die Silvesteransprache. (Protokoll der Ansprache)
     
     
   
1945    
30.01.   Adolf Hitler ruft in einer Rundfunkansprache zum "Endsieg" auf und verweist auf den Einsatz von "Wunderwaffen".
24.04.   Das NS-Parteiorgan "Völkischer Beobachter" stellt sein Erscheinen ein.
     
   
     
     

 

Quellen:
1.)  www.nrw2000.de/ns/gleichschaltung.htm
2.)  www.dhm.de/lemo/html/wk2/propaganda/index.html
3.)  www.dhm.de/lemo/home.html