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Einführung

Hier stellen wir Ihnen die Jahreskonzepte für den Unterricht in einzelnen Fächern vor. Sie erfahren, wie wir den Unterricht konkret planen, durchführen und die Zielerreichung überprüfen. Sie sollen sich ein Bild machen können, mit welchen Methoden wir arbeiten und welche Ziele und Feinziele wir damit erreichen wollen.

Diese Jahreskonzepte werden immer an den Lehrplan, die Lebenssituation, die Bedürfnisse und Interessen der TeilnehmerInnen angepasst.

Deutsch

Der Lehrstoff

Nach dem neuen "Lehrplan 1999" für die österreichischen Hauptschulen ist der Stoff eingeteilt in einen Basisteil, den sämtliche Leistungsgruppen (wenn auch der Leistungsfähigkeit angepasst) zu absolvieren haben. Nach Weihnachten beginnt der Erweiterungsteil, bei dem nicht nur leistungsmäßig differenziert unterrichtet wird, sondern auch die unterschiedlichen Talente, Wünsche und Zukunftsperspektiven der SchülerInnen berücksichtigt werden. Der Lehrstoff wird zukunftsorientiert ausgewählt, d.h. auf die Anwendbarkeit des Stoffes nach unserem Kurs (Berufsschule, Lehrstelle, weiterführende Schule) legen wir größtes Augenmerk.

Sprachbetrachtung und Rechtschreibung

Nach wie vor ist die Beherrschung der deutschen Grammatik und Rechtschreibung eine wichtige Voraussetzung für den Zugang zu weiterführenden Schulen. Aber auch in manchen Lehrberufen (nicht nur im Bürobereich) werden SchülerInnen, die eine akzeptable Rechtschreibung aufweisen, bevorzugt behandelt. Deshalb verwenden wir ungefähr die Hälfte unserer Unterrichtseinheiten im ersten Semester zur Einübung und Festigung der Rechtschreibregeln.

Textproduktion - Basisteil (in Zusammenarbeit mit BO und EDV)

In diesem, für alle Leistungsgruppen obligatorischen Modul werden vor allem Textsorten erarbeitet, die auch nach Kursende für die SchülerInnen von Wichtigkeit sein werden. Das sind insbesonders:

"Freie Texte", je nach Vorlieben der SchülerInnen, wie Stimmungsschilderungen, Phantasieerzählungen, Bildbeschreibungen (für LG. 1+2: interpretierend), Science-fiction- Geschichten, Werbemärchen, Zeitungsberichte, Reportagen sollen die Phantasie anregen, die Ausdrucksfähigkeit fördern und eine lustvolle Abwechslung bringen. Die Anfertigung eines Exzerptes und eines Protokolls (in Zusammenarbeit mit anderen Fächern = prüfungszentriert, "Lernen lernen) soll den SchülerInnen dazu befähigen, den Lernstoff auch in anderen Fächern leichter und schneller aufzubereiten.

Erweiterungsteil

Ab Februar arbeiten die KursteilnehmerInnen im Übungsbüro. Die Details dazu erfahren Sie unter >> Übungsbüro >>

Differenzierung

Für die erste und zweite Leistungsgruppe erfolgt nach Absolvierung des Lehrbüros eine Einführung in speziellere Textsorten:

2. Leistungsgruppe

1. Leistungsgruppe

Lesen

Besonders für die 3. LG., aber nicht nur:

Texte allgemein:

Die Methodenwahl

Offenes Lernen

Vorliegender Artikel versteht sich nicht als Unterrichtsrezept, vielmehr möchte ich einfach und in Kürze berichten, was ich in den letzten Jahren, durchaus mit Erfolg, das sei vorweg genommen, ausprobiert habe. Als Einleitung möchte ich folgende Überlegungen darlegen:

Kein Mensch lernt auf die gleiche Art und Weise. Es gibt vom Schnellmerker bis zur Schnecke (ohne Wertung zu verstehen) sämtliche nur denkbaren Lerntypen - gar nicht zu reden vom visuellen, auditiven etc. Lerntypen. Gerade die Unzufriedenheit, dass mit herkömmlichen Unterrichtsmethoden eigentlich die Lernbedürfnisse der einzelnen Jugendlichen nur äußerst unzureichend befriedigt werden können, hat mich zum Konzept des Offenen Lernens gebracht.

Die Anforderungen, die ich in meinem Unterricht stelle, müssen für alle durchführbar sein. Das beinhaltet auch, dass alle SchülerInnen meinen Jahresplan kennen lernen, ihre eigenen Wünsche äußern dürfen, sodass es möglich ist diesen Jahresplan zu diskutieren und bei Bedarf abzuändern.

Mut zur Lücke ist oberstes Gebot: Es nützt nichts, wenn ich alle ach so interessanten Themen (meistens findet sie nur der Lehrer interessant) des Lehrplanes restlos durchgepaukt habe, wenn nur ein Drittel der SchülerInnen das alles wirklich verstanden hat, der Rest entweder brav auswendig lernt, abschreibt oder überhaupt aufgibt. Arbeitsvorbereitungen:

Vorbereitung durch Lehrer/in

Durch die SchülerInnen, gemeinsam mit Lehrer/in:

Zuerst werden, wie oben angedeutet, die Themenbereiche mit den SchülerInnen besprochen. Dabei achte ich darauf, dass verstanden wird, dass auch die Rechtschreibung immer noch über eine Anstellung in einem Lehrberuf entscheiden kann (viele Lehrherren gehen immer noch vom "Wilhelminischen = Duden - Konzept" aus, wonach eine gute Rechtschreibung auch einen braven und ordentlichen, sprich willfährigen Menschen charakterisiert).

Sodann überreiche ich den Kontrollpass mit den oben genannten Themen, die die SchülerInnen nach eigener Auswahl angehen können. Gerade bei der Rechtschreibung aber auch bei der Grammatik entscheidet eine gleich in den ersten Wochen stattfindende Prüfung, wer und in welchem Ausmaß die einzelnen Unterkapitel (z.B. s-Schreibung, Verb, etc.) üben und erarbeiten muss. Ich sehe nämlich nicht ein, dass ein Schüler, der beispielsweise ein hervorragendes Vorwissen in der Grammatik mitbringt, von mir länger gequält und vor allem fadisiert werden soll. Das schafft ihm Zeit und Raum, andere Schwachstellen intensiv beseitigen zu können und/oder ein Lieblingsthema zu bearbeiten.

Dieser Kontrollpass wird im Klassenzimmer aufgehängt, damit jede/r SchülerIn einen Überblick über die bearbeiteten und unbearbeiteten Aufgaben hat. In einem eigenen Ordner sammle ich die fertigen und von mir bewerteten Arbeiten der TeilnehmerInnen, um sie bei der Prüfung am Ende des Jahres der Kommission vorzulegen. Diese Arbeiten gelten als Teilnote im Fach Deutsch, was ein wenig Druck bei der Prüfung wegnimmt.

In den Regalen meines Klassenschrankes befinden sich Körbe mit Arbeitsunterlagen zu den oben genannten Jahresthemen. Jede/r kann nun bestimmen, welches Problem er/sie zuerst anzugehen gewillt ist. Das wird von mir festgehalten und vorsichtig verfolgt. Bei Problemen setze ich zuerst auf Selbsthilfe. Meiner Erfahrung nach sind viele TeilnehmerInnen nämlich oft zu bequem die Aufgabenstellung richtig durchzulesen. Reagiert man aber nicht sofort auf einen Hilfeschrei, wird es langweilig, die SchülerInnen lesen selbst den Text durch und kommen so oft selbst auf eine Lösung. Funktioniert diese Methode nicht, so setze ich auf Gruppenarbeit. Erst wenn alle Stricke reißen, trete ich in Aktion.

Zusammenfassung - beobachtete Vorteile der Methode

Geschichte und Sozialkunde

Projekt: Innsbrucker Stadtführung

Ausgehend von der Forderung des neuen Lehrplans, dass sich der Unterricht im Fach Geschichte und Sozialkunde als "Begegnung mit der Vergangenheit des eigenen und anderer Kulturkreise" versteht, der durch das "Kennenlernen verschiedener Modelle menschlicher Existenz in der Vergangenheit (...) zu Verständnis und Toleranz dem Anderen gegenüber in der Gegenwart führen" soll, wurde die Idee geboren, mit meinen SchülerInnen eine historische Stadtführung zusammenzustellen.

Wie wir im Folgenden (Themenaufstellung) sehen werden, tangiert dieses Thema sämtliche Grundbereiche der Geschichte: Die verschiedenen Formen der Politik und Herrschaft, die Entwicklung unserer Gesellschaft, wirtschaftliche Aspekte und die Ausformungen der verschiedenen Kulturepochen.

Vorüberlegungen

Ein wesentlicher Grund des Desinteresses am Fach Geschichte ist meiner Erfahrung nach immer die zeitliche und räumliche Distanz der SchülerInnen zu den Inhalten des Unterrichts. Deshalb erscheint es mir wichtig, die Themen des Unterrichts der Erfahrungs- und Erlebniswelt der Jugendlichen zu entnehmen. Was liegt daher näher als Orte und Gebäude, welche die Jugendlichen täglich auf ihrem Weg in die Schule, Disko etc. sehen, genauer erforschen und studieren zu lassen. Damit erhalten Gebäude wie Rathaus, Landtag einen erleb- und begreifbaren Hintergrund und fachspezifische Begriffe wie Barock, Renaissance können als historische Information aufgenommen, bewertet und schließlich in der Zukunft auch richtig verwendet werden.

Dunkle Epochen wie die Nazizeit werden als etwas wirklich Dagewesenes erkannt, wenn Orte, die jedes Innsbrucker Kind erkennt, in Zusammenhang mit verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürgern gebracht werden. Bilder von Kriegsschäden in der Altstadt verhelfen zu einem emotionalen Zugang, denn man kennt die wieder aufgebauten Gebäude, sieht sie täglich und kann sich das Ausmaß der Schrecken eines Krieges besser vorstellen.

Repräsentative Gebäude der Vergangenheit regen zum Nachdenken über die verschiedenen Herrschaftsepochen an und veranlassen einen Vergleich zu unserem demokratischen System.

In einer Zeit, in der radikale religiös - fundamentalistische Gruppierungen die Welt in Atem halten, erscheint es mir besonders wichtig, dass die Jugendlichen die Angst vor dem Anderen, dem Unbekannten verlieren. Der Besuch von Kirchen, der Innsbrucker Synagoge und von islamischen Gebetshäusern kann dabei wertvolle Dienste leisten, verschiedene Religionen zu respektieren und das Verbindende in den Vordergrund zu stellen. In diesem Zusammenhang freut es mich besonders, dass sich gerade ein moslemischer Schüler heuer intensiv mit dem Innsbrucker Dom auseinander gesetzt hat.

Bemerkenswert finde ich immer wieder, dass z.B. historische Persönlichkeiten zeitlich falsch eingeordnet werden (Andreas Hofer als Gestalt in der Zeit des Ersten Weltkriegs). Die Suche nach den visualisierbaren Spuren von 1809 in Innsbruck verhilft so manchen zur Entwicklung eines besseren Zeitbegriffs, vor allem auch durch den direkt herstellbaren Vergleich mit der Arbeit eines Mitschülers, der gleichzeitig den Ersten Weltkrieg bearbeitet und ihn zeitlich richtig einordnen kann.

Methoden

Die von mir verwendete Methode lässt sich am besten durch das Schlagwort "forschendes Lernen" darstellen. Die SchülerInnen werden von mir dabei nicht als rezeptive, reproduzierende Objekte verstanden, sondern als selbst handelnde und entscheidende Subjekte innerhalb eines sozialen Lernprozesses. Die SchülerInnen werden dadurch am Prozess der historischen Forschungsarbeit beteiligt und können so eigene Erfahrungen und Einsichten sammeln. Bei der Aneignung des Wissens sollen sie möglichst eigenständig vorgehen, ich stehe als Lehrer eigentlich nur für Sonderprobleme zur Verfügung und stelle weiter führende aber auch kritische Fragen, um Diskussionen in Gang zu setzen und Nachdenkphasen einzuleiten.

Der Lernprozess

Zunächst werden nach einer von mir gestalteten Einführung über die Ziele des Unterrichts die verschiedenen Themen umrissen und schließlich nach Interesse verteilt. Die SchülerInnen haben auch die Möglichkeit eigene Vorschläge zu machen, bzw. meine umzuändern. Sie können ein Thema alleine oder auch in Gruppen zu je zwei Personen (soziales Lernen!) bearbeiten.

Nun beginnt die eigentliche Forschungstätigkeit. Mit Hilfe von Büchern und dem Internet müssen erste Informationen gesammelt werden. Anhand dieser Informationen wurden weiterführende Arbeitsfragen entwickelt. Die SchülerInnen können jetzt Wünsche für Exkursionen, Informationsquellen (Archive, Museen ...) und zusätzlichem Material einbringen.

Der dritte Schritt ist die Sichtung und Strukturierung des gesammelten Materials mit dem Ziel einen Vortrag zusammen zu stellen. Dies ist die schwierigste und zeitintensivste Phase des Unterrichts. Es ist die Phase der Diskussionen zwischen den BearbeiterInnen und mir (aber auch Diskussionen, Einwände und Fragen innerhalb des Klassenverbandes werden besonders gefördert) und der vorsichtigen Hinführung zur Kritikfähigkeit mit der Entscheidung zwischen "wahr" und "falsch", objektiver und subjektiver Meinung der Quellenverfasser.

In einem weiteren Schritt werden die Referate niedergeschrieben und allfällige weitere Fragen erörtert, Fachbegriffe gesammelt und definiert.

Die abschließende Arbeit ist die Fassung der Forschungsergebnisse in eine Power Point Präsentation, in der jetzt Bilder, Statistiken, Diagramme etc. mit eingearbeitet werden.

Zusammenfassung

Wie aus oben Gesagtem hervorgeht, ist bei meinem Unterricht der Weg das Ziel. Die bloße Reproduktion von Lehrerwissen erscheint mir als nicht förderlich um kritikfähige, eigenständig denkende und handelnde Menschen heranzubilden, auch dem Selbstvertrauen der SchülerInnen ist die reine Reproduktion fremder Erkenntnisse letztendlich nicht dienlich. Die Ergebnisse fallen je nach schulischer Herkunft, intellektueller Möglichkeiten u.ä. verschieden aus.

Sie werden jedoch erfahrungsgemäß selbstständig und mit großem Engagement verfasst, sie beinhalten Ideen, Fragestellungen und nicht zuletzt Lösungsansätze und Meinungen, die die Lernfortschritte der einzelnen SchülerInnen widerspiegeln.

Themenübersicht

Grundbereich Kultur

Schloss Ambras, die Hofkirche, die Annasäule, der Triumphbogen, St. Jakob, Stift Wilten, die Hofburg, die Altstadt - Entstehungsgeschichte der Stadt, der Leopoldsbrunnen, das Riesenrundgemälde.

Grundbereich Politik/Herrschaft: und Gesellschaft

J. Huter, M. Gaismaier, das Jahr 1809 in Innsbruck, der I. Weltkrieg, die Kaiserjäger, Innsbruck 1938, die Reichspogromnacht, der Bombenkrieg, Alltagsleben in Innsbruck während des II. Weltkrieges, Heldenverehrung - die Militärfriedhöfe, das KZ in Innsbruck, Flüchtlinge und Gefangene, A. Hitler in Innsbruck.

Grundbereich Wirtschaft

Adambräu - Geschichte einer Fabrik und eines Getränkes.

Diese Themen sollen nicht isoliert gesehen werden. So muss z.B. die Person, die die Hofburg bearbeitet, nicht nur über den Erbauer, das Aussehen des Gebäudes etc informiert sein, sondern auch über den historischen Zweck und die heutige Nutzung (Ämter ...) Bescheid wissen. Weiters muss immer der historische Bezug mit eingearbeitet werden.

Endziel ist eine zusammengeführte Power Point Präsentation, die auch von anderen Generationen von SchülerInnen als Wissenspool genutzt, zudem noch erweitert und verbessert werden kann. Dazu gehören auch Links zu wertvollen Internet Seiten (Quellenkritik!) und die Aufarbeitung und jugendlichengerechte Erklärung historischer Begriffe.

Lehrausgänge

Jede Beschäftigung mit der Stadt muss rein akademisch und öde bleiben, wenn sie sich nicht auf konkret Erlebbares, Sichtbares und Begreifbares stützt. Deshalb wurden Exkursionen unternommen, mit erfreulich vielen, auch freiwilligen TeilnehmerInnen. Wir besuchten: Schloss Ambras, den Stadtturm (mit anschließender Führung durch die Altstadt), St. Jakob, die Hofkirche, die Hofburg, das Kaiserjäger Museum, das Rathaus, das Stadtarchiv, den Pradler Militärfriedhof, den k.u.k. Friedhof in Pradl und wanderten offenen Auges durch die Maria-Theresien-Straße. Von all diesen Spurensuchen zeugt ein von uns angelegtes großes Bildarchiv.

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