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Pranger
Der Pranger war ein mittelalterlicher Schandpfahl, an dem Verbrecher, oft mit einem Halseisen angekettet, öffentlich zur Schau gestellt wurden. Diese Strafe führte zum Verlust der Ehre. Der Pranger diente den Städten als äußeres Zeichen der Gerichtsbarkeit. Körperstrafen wurden häufig am Pranger vollstreckt. In manchen Orten war der Pranger auch der Ort für weitere Rechtshandlungen und der Ort, an dem gemeinschaftsrelevante Gegenstände aufbewahrt werden (Normalmaße, Strafvollstreckungswerkzeuge).

Der Pranger wurde dort aufgestellt, wo viele Leute an dem "Angeprangerten" vorbeigingen, um das Vergehen öffentlich zu machen.

In den Jahren 1683 -1688 wurde die Vorstadt reguliert. An der Stelle, wo heute die Annasäule steht, wurde der Pranger entfernt und ein Zierbrunnen errichtet. Der Pranger wurde vor das Picken- oder Frauentor an den Marktplatz verlegt. Zu Beginn des 19. Jhs. wurde er ganz abgeschafft.

In Innsbruck war im Mittelalter der Stadtrichter oberste Instanz der Stadtverwaltung. Der Stadtrichter wurde anfangs nicht von den Bürgern der Stadt als solcher gewählt, sondern vom Stadtherrn als sein Stellvertreter für politische, rechtliche und verwaltungstechnische Belange eingesetzt. Ihm oblagen die Aufgaben der Stadtverwaltung, der Rechtsprechung und der Verrechnung der Stadtsteuer mit der stadtherrlichen Kammer. Sowohl das Amt des Stadtrichters als auch später des Bürgermeisters waren ehrenamtlich. Sie bekamen dafür kein Geld. 1374 wird erstmals für Innsbruck mit der Person des Günther von Raut ein Bürgermeister genannt. Er unterstand anfangs noch dem Stadtrichter, aber bereits 1393 nahm er dessen Stelle in der Stadtverwaltung ein. Das Amt des Stadtrichters verlor an Bedeutung. Mit der Zeit gelang es den Bürgern, es schließlich als rein städtisches Amt umzugestalten, dem nur mehr die Rechtsprechung oblag.

Weitere Informationen finden Sie unter dem PDF Dokument "Die Geschichte der Innsbrucker Stadtverwaltung" von Mag. Gertraud Zeind in "Innsbruck informiert. Nr. 9a Sondernummer Rathaus - Neubau. September 2002" S. 28 - 30. >> zu Innsbruck informiert >>

Rodfuhrwesen

Im 12. Jahrhundert gab es bereits eine transalpine Güterstrecke von Augsburg nach Venedig über den Brenner (vgl. Sie dazu unter: Via Claudia Augusta). Der Warentransport erfolgte mittels des Rodfuhrwesens, einer speziellen Organisationsform des Transports.

Ortsansässige und damit auch ortskundige Bauern transportierten in einer strengen Reihenfolge (zu "Rod" vgl. Rad, Reihe, rotieren und frz. Route) die Waren. Auf Grund ihrer Ortskenntnis waren diese Fuhrwerksbesitzer im Stande, die Waren rasch und sicher von einem Niederlagsort zum nächsten zu bringen.

Sie hatten das Recht aber auch die Pflicht, die Güter zu transportieren. In einem eigens zu diesem Zweck errichteten Ballhaus wurde die Ware abgeladen und eine entsprechende Gebühr bezahlt.

Die Bezeichnung Ballhaus kommt von den Warenballen, die in einer großen Halle im Erdgeschoß umgeladen und bearbeitet worden sind. Diese Hallen waren mit Fuhrwerken befahrbar. Das der Rodfuhr dienende Innsbrucker Ballhaus stand beim Inntor an der Ecke Herzog - Friedrich - Straße/ Kiebachgasse, ganz nahe der Stadtburg. Urkundlich wird es erstmals 1386 erwähnt. Eingerichtet wurde es aber schon 1372 unter Herzog Leopold III. Das Ballhaus wurde 1870 durch einen Neubau im Gründerzeit - Stil ersetzt. In diesem Haus befinden sich heute verschiedene Betriebe, etwa eine Pizzeria und das Geschäft Sporer.

Das Innsbrucker Niederleg - Privileg bzw. Niederlagsrecht ist in jenen Stadtrechten enthalten, die 1239 von Herzog Otto II. von Andechs - Meranien bestätigt worden sind. Es besagt, dass alle durchgeführten Waren in Innsbruck abgeladen werden mussten. Zum Verkauf mussten sie allerdings nicht angeboten werden.

Da das Umladen und Verzollen Zeit brauchte, haben die ihre Waren begleitenden Kaufleute meist in Innsbruck genächtigt. Die meisten alten Innsbrucker Gasthöfe befanden sich in der Nachbarschaft des Ballhauses. Der Vier - Viecher - Platz hat seinen Namen von den Gasthäusern unmittelbar am Ballhaus: Der "Rote Adler", der "Goldene Löwe", das "Weiße Rößl" und der "Goldene Hirsch" stehen alle an der Kiebachgasse, dazu kamen noch die ehemalige "Blaue Gans" und der "Goldene Adler" am Unteren Stadtplatz. Vgl. Sie dazu: Franz-Heinz Hye: "Das städtische Ballhaus, die Rodfuhr und andere Schwerpunkte des städtischen Wirtschaftslebens." In: Ruhm und Sinnlichkeit. Innsbrucker Bronzeguß 1500 - 1650 von Kaiser Maximilian I. bis Erzherzog Ferdinand Karl, Innsbruck 1996, S. 17 - 39.

Die jeweils nächsten Niederlagsorte für Innsbruck waren Zirl und Matrei am Brenner. Zu jeder Rodstation gehörten mehrere Frächter die in einer fest geordneten Reihenfolge oder "Rod" den Weitertransport der angelieferten Güter besorgten. Rechte und Entlohnung der Frächter waren genau festgelegt und sie durften nur genau ihre Strecke befahren und nicht darüber hinaus.

Maria - Theresia hob den Rodzwang 1750/ 51 auf und stellte den Händlern die Wahl der Transportmittel und der Transportrouten frei.

Serenissima
Serenissima, auf Deutsch "die Durchlauchtigste", so nannte sich stolz die Republik Venedig im 15. Jahrhundert, als ihre Galeeren das Mittelmeer beherrschten. Bereits im 8. Jahrhundert war Venedig eine Seemacht. Die unabhängige Stadtrepublik bildete sich im 11. Jahrhundert unter Führung der Dogen. Um 1000 begann Venedig die Küsten Istriens und Dalmatiens zu unterwerfen (heutiges Kroatien) und während der Kreuzzüge entstand ein Kolonialreich auf dem Balkan bis nach Kleinasien. Im Jahre 1203 wurde Konstantinopel erobert und das Byzantinische Reich zerstört. Unter anderem gelangten die Inseln Korfu und Kreta sowie der heutige Libanon in zeitweiligen Besitz.

Handelsgüter Venedigs

Abgesehen von den bekannteren Handelsgütern wie Pfeffer, Ingwer, Safran, Muskat, Nelken und Zimt, Farbstoffen, hochwertiger Seide und Teppichen aus dem Orient, wobei der Pfeffer eine Vorrangstellung einnahm, seien hier zwei andere bedeutende Handelsgüter Venedigs erwähnt, die zu einem Gutteil auch über Tirol gehandelt wurden: Zucker und Baumwolle.

  1. Der Zucker

    Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam Zypern mit seinen Zuckerrohrplantagen (Zuckermonopol) in venezianischen Besitz. Bis zur Gewinnung von Zucker aus Zuckerrüben im frühen 19. Jahrhundert brauchte man für die Herstellung von Zucker das Zuckerrohr. Zuckerrohr wächst nur in tropischem und subtropischem Klima.

    Über den Wert von Zucker kann man sich heutzutage kaum mehr eine Vorstellung machen. Ein Zitat aus einer deutschen Hausarbeit von Alexander Engel aus dem Jahr 2000 über den Warenverkauf des Handelshauses Amman in Schaffhausen 1748 - 1779 soll den Wert verdeutlichen:

    "Als die Engländer im Siebenjährigen Krieg die französischen Kolonien Martinique und Guadeloupe besetzten, tauschten die Franzosen diese vergleichsweise winzigen Inseln gegen ihre kompletten kanadischen Besitzungen zurück: Ihre Bedeutung für die Produktion des von Frankreich nach Europa importierten Zuckers und Kaffees war es allemal wert."

  2. Die Baumwolle

    Eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Europas während des Mittelalters neben Venedig war Nordwesteuropa. Für die oberdeutschen Kaufleute, insbesondere die Leinen- und Barchenthändler Schwabens, war die Donau der wichtigste Handelsweg nach dem Osten. Nach dem Süden gelangte man über die Tiroler Pässe nach Venedig (siehe Via Claudia Augusta). Bereits im 13. Jahrhundert wurde in Augsburg auch Baumwolle (vermutlich von den Arabern in Spanien und Sizilien ) verarbeitet. Nach dem venezianischen Geschichtsschreiber Marino soll zu Anfang des 14. Jhs. die Baumwolle in Venedig eingeführt worden sein, und sich von dort bald über die benachbarten italienischen Städte und später nach der Schweiz und nach Augsburg verbreitet haben.

    Die Baumwolle ist kein einheimisches Material. Sie musste über einen langen Weg zunächst aus dem Orient, meist über Italien und die Schweiz, eingeführt werden. Daher spielte sie als Rohmaterial erst ab dem 14. Jahrhundert eine gewisse Rolle in Mitteleuropa. Mit diesem Rohstoff entwickelte sich die Heimindustrie, da sie keiner Zunftordnung unterlag. Händler importierten die Baumwolle auf ihre Kosten, wie z.B. Johannes Fugger aus Augsburg. Er war ein Leinweber, der vom Land in die Stadt gekommen war und daher der Zunft nicht beitreten konnte. So wagte er als erster in Deutschland um 1370 den Einkauf von größeren Mengen Rohbaumwolle. Er ließ diese in Lohnarbeit verspinnen (Entstehung des Verlagswesens!) und zu hochwertigem Barchent verweben. Das Verkaufen der Stoffe besorgte er dann selbst. Die Familie Fugger wurde damit reich, aber auch Venedig profitierte entsprechend. Bis ins 17. Jahrhundert führte Augsburg die industrielle Massenproduktion von Baumwollstoffen an, danach war es die flandrische und englische Baumwollindustrie mit eigenen Transportwegen und Häfen.

Einen interessanten Vergleich zwischen dem WWW und Venedig zieht Gernot Tscherteu, nachzulesen unter: >> Venedig als deterritoriale Netzkultur >>

Via Claudia Augusta
Bereits die Römer legten zwei wichtige Verkehrswege durch Tirol an. Die Strecke über den Reschenpass und das Inntal bis ins nördliche Alpenvorland wurde unter Kaiser Claudius (41 - 54 n. Chr.) fertiggestellt, und er erhob sie zur Staatsstraße. Eingeweiht wurde diese Via Claudia Augusta am Ende des Jahres 46.

Die etwa 517 km lange Straße wurde ursprünglich als militärischer Weg genutzt, entwickelte sich aber bald zur wichtigen Handelsroute. Sie verband die Obere Adria mit der Donau. Diese Via Claudia Augusta verlief von Venedig durch das Valsugana nach Trient, dann der Etsch entlang nach Bozen.

In Bozen teilte sie sich in den ursprünglich weniger wichtigen Strang über den Ritten nach Innsbruck. Von dort führte sie weiter über Zirl und Partenkirchen nach Augsburg. Ein weiterer Strang führte von Innsbruck das Inntal entlang Richtung Rosenheim nach Regensburg und Passau.

Der Hauptstrang der Via Claudia Augusta verlief aber über Meran und den Vinschgau weiter über den Reschenpass, den Fernpass und Füssen ebenfalls nach Augsburg.

Die Augsburger Militärsiedlung wurde auf Grund ihrer Lage am Ende der Überlandstraße im Jahr 122 durch Kaiser Hadrian in den Rang einer Stadt erhoben und Sitz der Residenz des Provinzstatthalters von Rätien. Auch das heutige Tirol gehörte zur Provinz Rätien.

Nach der Verbesserung des Weges über den Brennerpass im 2. Jahrhundert verlor der Weg über den Reschenpass an Bedeutung für den alpenquerenden Verkehr. Für den regionalen Verkehr blieb diese Strecke aber viele Jahrhunderte ein wichtiger Verkehrsweg.

Der Brenner ist mit 1.372 m über dem Meeresspiegel einer der niedrigsten Alpenübergänge und eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Nord- und Südeuropa.

Schon in der Steinzeit gab es Wege, die über den Brenner führten. Die Römer bauten sie aus und errichteten gefestigte Straßen. Auf Grund des festen Unterbaus und der guten Bauweise hielten sich die relativ schmalen und teilweise steilen Straßen als Handelsroute bis ins Mittelalter. Dieser Weg war gefährdet durch Hochwasser im Sommer und Lawinen im Winter. Das war vermutlich ein entscheidender Grund für die Herausbildung des Rodfuhrwesens im späten Mittelalter.

Diese beiden Handeslrouten bildeten die Basis für den im 13. Jh. entstehenden Handel zwischen Oberitalien und Süddeutschland. Im Mittelalter teilte sich die Straße ebenfalls in Bozen. Die Reschenstrecke führte als der "Obere Weg" nach Kempten, Lindau, Memmingen und Ulm.

Der "Untere Weg" über den Brenner teilte sich in Innsbruck wieder Richtung Rosenheim nach Osten und über Zirl, Garmisch und Schongau nach Augsburg im Westen.

Der "Mittlere Weg" diente über Zirl, Telfs, das Mieminger Plateau und Nassereith als Verbindung zwischen Oberem und Unterem Weg. Über einige Streckenabschnitte entspricht dieser Mittlere Weg der im 3. Jahrhundert von den Römern unter Kaiser Decius im Jahr 250 erbauten Via Decia, einer Verbindugsstrecke zwischen Veldidena und dem Bodensee. Als sich im 15. Jahrhundert das Haller Salz zum bedeutendsten Transportgut auf Tirols Straßen entwickelte, folgte der Verkehr diesem Verlauf. Vergleichen Sie dazu das hervorragende Buch:

Strolz, Bernhard: "Die Salzstraße nach Westen. Ein Kulturführer von Hall in Tirol übers Außerfern durchs Allgäu zum Bodensee."
Tyrolia Verlag, Innsbruck - Wien 2004. ISBN 3-7022-2559-5. 142 Seiten, Seite 10 ff.

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