zum BFI Tirol.

Einleitung

Im Jahr 2004 haben über 1.1 Millionen Personen in Innsbruck genächtigt, in ganz Tirol etwas über 42 Millionen. Es ist anzunehmen, dass sehr viele dieser Menschen die historische Innsbrucker Altstadt besuchten, sich an ihrer Atmosphäre freuten.

Angesichts dieser Zahlen fällt es schwer, sich vorzustellen, dass das Gebiet der heutigen Altstadt vor rund 840 Jahren unbesiedeltes Land war, das erst allmählich urbar gemacht und bebaut wurde.

Lassen Sie uns deshalb zurückschauen in eine Zeit, als die Menschen zum ersten Mal über die neu gebaute Innbrücke gingen. Eine Zeit, als sie ihr Trinkwasser an diesem neu gegründeten Markt noch aus Schöpfbrunnen holten. In eine Zeit, als Tirol in den heutigen Grenzen rund 70.000 Einwohner hatte.

Versuchen wir, uns die Freude der Menschen vorzustellen, als sie 300 Jahre später zum ersten Mal Quellwasser aus dem neuen Brunnen tranken.

Schauen wir gemeinsam zurück in die Geschichte Innsbrucks.

Die Innsbrucker Altstadt

Vorgeschichte

Die bayerischen Grafen von Andechs hatten seit dem 11. Jahrhundert große Besitzungen im Inntal. Mittelpunkt ihrer Herrschaft war die Burg Ambras. 1133 kam es zu einer Auseinandersetzung mit Herzog Heinrich dem Stolzen von Bayern (1102 - 1139), und die Burg wurde zerstört. In der Folgezeit legten die Andechser nördlich des Inn eine neue Siedlung an.[1]

zu Stadtteil Mariahilf mit Hötting und Nordkette.
Mariahilf

Diese Siedlung, die heutigen Stadtteile Mariahilf und St. Nikolaus, entstand auf dem Talboden Höttings, der nach und nach urbar gemacht wurde. Der Inn wurde mit einer Fähre überquert. Diese Fähre wurde vom Kloster Wilten betrieben und war mit bedeutenden Einnahmen verbunden. Der gesamte Italienverkehr lief über diese einzige Verbindung zwischen der nördlichen und der südlichen Talseite.

Die Gründung von Innsbruck

Die Grafschaft im mittleren Inn- und Wipptal stand seit 1027 unter der Oberhoheit der bischöflichen Kirche von Brixen. Von 1165 - 1170 war Graf Otto von Andechs Fürstbischof von Brixen. Er belehnte seinen Bruder, den Grafen Berchtold III. (V.) von Andechs, mit der Grafschaft im mittleren Inn- und Wipptal. Dadurch wurde Berchtold V. auch Herr über die große Dorfgemeinde Hötting.

Graf Berchtold gründete den Markt Innsbruck und ließ die erste Innbrücke bauen, die Innsbruck den Namen gegeben hat. Für das Kloster Wilten versiegten damit die Einnahmen aus dem Fährbetrieb. Nach langem Bemühen bereinigten das Kloster und der Graf diesen Interessenskonflikt mit einem Tauschvertrag.

Mit diesem Tauschvertrag beginnt die Geschichte der Innsbrucker Altstadt. 1180 bekam Markgraf Berchtold V. von Andechs vom Kloster Wilten ein Stück Land südlich der Innbrücke, um den Marktplatz dorthin verlegen zu können.

Das Kloster Wilten erhielt dafür ein gleich großes Stück Land im Dorf Amras und bestimmte Vorrechte: einen Teil des in Innsbruck eingehobenen Marktzolls, Einfluss auf die Kirche, alleiniges Fährrecht am Inn (vielleicht in der Hoffnung, dass die Innbrücke keinen Bestand habe), vor allem aber ein Mühlenmonopol. Dieses Mühlenmonopol der Wiltener Stiftsmühle bedeutete, dass die Innsbrucker keine eigene Mühle errichten durften, sondern ihr Getreide in der Stiftsmühle mahlen lassen mussten. Mehr dazu unten unter >> Details zur Geschichte Innsbrucks >>

zu Rest der Stadtburgmauer.
Burgmauer

Schon nach wenigen Jahren wurde dieser neuen Siedlung das Stadtrecht verliehen. Das genaue Jahr der Stadterhebung und der Verleihung der Stadtrechte ist unbekannt, sie fallen in die Zeit zwischen 1187 - 1204. Voraussetzung dafür waren die Errichtung einer Mauer, eines Grabens und einer Wehranlage.

Städte im Mittelalter mussten befestigt sein wie Burgen, daher kommt auch der Name "Bürger" für ihre Bewohner und Bewohnerinnen. Weigerte sich eine Ortschaft, solche Befestigungen zu bauen, wurde sie auch nicht zur Stadt erhoben. Das war beispielsweise bei Imst zweimal der Fall. Die erste Bezeichnung der Bewohner Innsbrucks als "Marktbürger" und "Bürger" ist aus dem Jahr 1187 überliefert.

Altstadtbrunnen

300 Jahre lang bezogen die Menschen in Innsbruck das Trinkwasser aus Zieh- oder Schöpfbrunnen. Technisch dürfte es sich dabei um Schachtbrunnen bzw. Kesselbrunnen gehandelt haben, der ältesten Brunnenbauart überhaupt.[2]

zu Höttinger Grabenbach und Nordkette.
Höttinger Graben

Der Bau der ersten Trinkwasserleitungen in Innsbruck geschah auf Drängen der Bürger. Ihnen war aufgefallen, dass die Höttinger und Mühlauer von Seuchen verschont blieben, da sie klares Berg- und Quellwasser tranken.[3] Der Innsbrucker Bürgermeister Johann Kern war dabei auch der Stadtbaumeister, der damals dieses Amt mitbetreute.

Innsbruck war ab 1420 bis 1665 die Residenz der Tiroler Landesfürsten. Die Geschichte der Altstadtbrunnen beginnt im Jahr 1485, als vor dem heutigen Goldenen Dachl der erste öffentliche Brunnen aufgestellt wurde. Das Wasser dafür wurde von der Kesselbrunnenquelle oberhalb von Hötting in Holzrohren zu Tal und über den Inn geleitet. Der Hof verlegte für seine Bedürfnisse um 1490 eine eigene Leitung, das Höttinger Brunnengeleit.

Bereits um ca. 1500 wurde auch ein Holzbrunnen vor dem heutigen Trautsonhaus aufgestellt.

Der vermutlich älteste erhaltene Innsbrucker Brunnen steht in der Sakristei der Jesuitenkirche. Er trägt die Jahreszahl 1635 und dürfte vom Kirchenbaumeister Pater Carolus Fontana entworfen worden sein. Im 2. Weltkrieg wurde dieser Brunnen durch die herabstürzende Decke beschädigt.[4]

Überblick

Heute gibt es in der Innsbrucker Altstadt insgesamt acht Brunnen. Das sind:

zu Weinstockquelle I, Trinkwasser Stollen im Höttinger Graben.
Weinstockquelle I mit Überlauf

Jeder dieser Brunnen hat seine eigene Geschichte. Zum Teil reicht diese Geschichte sogar weit über Tirol hinaus. So stand etwa ursprünglich auf dem Innsbrucker Platz in Berlin eine Kopie des alten Gusseisenbrunnens, der 1870 vor dem Goldenen Dachl errichtet worden war. Dieser Gusseisenbrunnen wurde 1906 entfernt. Seit 1981 ziert eine Kopie des in Innsbruck stehenden Trinkbrunnens am Trautsonhaus den Innsbrucker Platz im Bezirk Tempelhof - Schöneberg.[6]

Die Brunnen

Wir beginnen diese Brunnengeschichte mit dem ersten Stadtbrunnen, dem Platzbrunnen, auch wenn heute nur noch ein kleiner Reliefbrunnen an ihn erinnert.

Der Platzbrunnen

Die heutige Herzog Friedrich Straße hieß in der Zeit von 1369 bis 1873 Kramer- oder Inntorgasse. Nach dem letzten Großbrand in Innsbruck im Jahr 1390 setzte in Innsbruck ein Wandel vom hölzernen Fachwerkbau zum Stein- und Ziegelbau ein. 1420 ließ Herzog Friedrich IV. mit der leeren Tasche am oberen Stadtplatz aus zwei Bürgerhäusern den sogenannten "Neuhof" erbauen. Zu dieser Zeit entstanden auch die Laubengänge der Altstadt. Ihre Vorläufer als Verkaufsstände waren noch laubenartige Vorbauten aus Holz.

Sein Sohn Sigmund (der Münzreiche) übernahm 1446 die Regierung über Tirol und die Vorlande. Zwischen 1450 - 1460 ließ Sigmund die Hofburg errichten, bis dahin war der "Neuhof" Sitz der Landesfürsten.

Vor diesem "Neuhof", an den der spätere Kaiser Maximilian I. um 1500 das Goldene Dachl anbauen ließ, wurde der erste Platzbrunnen mit Quellwasser Zuleitung aufgestellt. Die Säule und der Brunnentrog des ersten Brunnens bestanden aus Holz. Ende des 15. Jh. versorgte dieser Brunnen kurze Zeit beinahe 5.000 Menschen mit frischem Quellwasser.[7]

Halbreliefbrunnen aus Bronze, Brunnenfigur mit Stadtwappen.

Hans Hörtnagl (1864 - 1944), Kaufmann in Innsbruck und Heimatforscher, stiftete 1934 den Erinnerungsbrunnen an den Platzbrunnen vor dem Goldenen Dachl.

450 Jahre lang standen an dieser Stelle verschiedene Platzbrunnen. Anfangs war es ein schlichter Holzbrunnen, den die InnsbruckerInnen bald als "bauernmäßig" empfanden. Vom 18. Jh. bis 1870 stand hier auch jener Marmorbrunnen, der heute im Stadtturmhof steht. An seiner Statt wurde ein gotischer, gusseiserner Brunnen errichtet, der dann 1906 entfernt wurde.


Der Brunnen im Stadtturmhof

Der Innsbrucker Stadtturm wurde 1450 an das bereits 1358 erbaute Alte Rathaus angebaut. Der Bau des Alten Rathauses kam unter starker Mithilfe des Markgrafen Ludwig von Brandenburg, des 2. Gemahls von Margarethe Maultasch, zustande. Es war das erste Rathaus im ganzen Tiroler Raum und ein Zeichen der zunehmenden Bedeutung der Bürger.[8]

zu Der Innsbrucker Stadtturm.
Stadtturm

Auch die Errichtung des Stadtturms unterstreicht die Bedeutung und das starke Selbstbewusstsein der Bürger. Der Bau der ersten Trinkwasserleitung 1485 geschah nicht zufällig über Initiative des Stadtrates.

Im 51 m hohen Stadtturm wohnte der Türmer, der Ausschau hielt nach Feuer oder Feinden. Auch die Einhaltung der Nachtruhe gehörte zu seinen Überwachungsaufgaben. Der Turm wurde zeitweise auch als Gefängnis genutzt. Die Zelle befand sich im ersten Stock in einem 7 m hohen Gewölbe. Ein prominenter Gefangener war etwa Jakob Huter (Hutter), der Führer der österreichischen Wiedertäuferbewegung. Er wurde 1536 vor dem Goldenen Dachl als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die Zwiebelform des Turmhelms im Stil der Renaissance stammt übrigens aus dem Jahr 1560.

Heutzutage ist der gotische Stadtturm eine der Sehenswürdigkeiten Innsbrucks, er bietet eine herrliche Aussicht über die Stadt.

Brunnenschale aus dunkelrotem Marmor.

Durch eine Radierung des Johann Georg Schädler [9] aus dem Jahr 1825 entdeckte man 1974, dass der im neuen Stadtturmhof aufgestellte Brunnen früher vor dem Goldenen Dachl stand.

Dieser Brunnen stand ab 1870 in der damals neu erbauten Gilmschule. 1974 waren nur die Brunnenschale und der Sockel noch ganz. Er wurde im stadteigenen Steinmetzbetrieb renoviert. Der Brunnen besteht aus dunklem Marmor aus Kramsach oder Trient.[10]


Bilder

Goldenes Dachl Gebäude und Details des Erinnerungsbrunnens.

zu Der Neuhof, Goldene Dachl Gebäude..
Halbreliefbrunnen aus Bronze, Engelsfigur mit Stadtwappen..
bronzener Halbreliefbrunnen, die Brunnenfigur umfasst das Stadtwappen..
Halbreliefbrunnen aus Bronze, Engel mit Stadtwappen..

Stadtturm und Bilder des Stadtturmhof Brunnens.

Link zu Innenhof Stadtturm..
zu Stadtturmhof Brunnen. Säulenbrunnen und Schale bestehen aus dunkelrotem Marmor..
zu Stadtturmhof Brunnenschale. Die Schale besteht aus dunkelrotem Marmor. Aus dem Metallrohr fließt Wasser..
zu Stadtturmhof Brunnensäule. Die Säule besteht aus dunkelrotem Marmor und ist ca. 3 Meter hoch..

Details zur Geschichte Innsbrucks

Die folgenden Ausführungen zur Innsbrucker Stadtgeschichte und Stadtentwicklung haben vorerst nur indirekt mit dem Thema Brunnen zu tun. Da aber jede Besiedlungserweiterung auch die Trinkwasserversorgung sicherzustellen hatte, wurden jeweils nicht nur Häuser sondern auch Brunnen errichtet. Deshalb muss die Geschichte der Innsbrucker Brunnen auch immer im Zusammenhang mit der Geschichte der Stadt und ihrer Vergrößerung gesehen werden. Sie wird uns bei der Geschichte der einzelnen Brunnen jeweils wieder begegnen. Vielleicht gelingt es sogar, da und dort das Gespür für die Plätze und Örtlichkeiten, an denen Brunnen aufgestellt wurden, zu verfeinern.

Auswirkungen des Tauschvertrages

Zusammenfassend lassen sich die Folgen des Tauschvertrags als Rückgang der Macht des Klosters Wilten zugunsten der aufstrebenden Stadt Innsbruck beschreiben.

Stift Wilten hat sich in diesem Tauschvertrag zwar viele Rechte ausbedungen, die teilweise jahrhundertelang die Geschichte Innsbrucks prägten, letztlich hat sich aber überall die Stadt durchgesetzt.

  1. Kirchlich: Der Tauschvertrag sah bereits den Bau einer Kirche vor, die zur Gänze dem Stift unterstellt war. Die Innsbrucker Bürgerschaft war aber sehr früh bestrebt, die Stadtkirche von Wilten unabhängig zu machen. Es ging dabei nicht nur um die Kontrolle durch das Stift oder die Stadt sondern vor allem auch um Spenden und Stolgebühren (Gebühren für kirchliche Handlungen, namentlich Taufen, Trauungen, Abnahme der Beichte und Begräbnisse).

    Die Innsbrucker mussten zur Lesung des Sonntagsgottesdienstes nach Wilten. Als sie versuchten, den Sonntagsgottesdienst in St. Jakob abzuhalten, verhängte Abt Conrad IV. Speiser von Friedberg den Kirchenbann. Die Situation eskalierte sogar soweit, dass die Innsbrucker den mit den Wittelsbachern sympathisierenden Abt Speiser 1368 in der Sill ertränkten. Herzog Leopold III. von Österreich sicherte hierauf der Bürgerschaft Straffreiheit zu.[11]

    Erst 1453 konnte durch einen Schiedsspruch von Kardinal Nikolaus von Cues, Bischof von Brixen, für einige Zeit Ruhe hergestellt werden. Insgesamt stärkte dieser Schiedsspruch die kirchliche und auch die grundherrschaftliche Position der Stadt Innsbruck. Mehr dazu in einem weiteren Teil dieser Serie über den Brunnen vor dem Dom.

    Anders sah es bei den Klöstern aus. Stift Wilten verhinderte bis in die 2. Hälfte des 16. Jhs. erfolgreich die Errichtung anderer Klöster in Innsbruck. Für das Mittelalter ist Innsbruck deshalb vom Chorherrn Hans Lentze zu Recht als "eine Stadt ohne Klöster" bezeichnet worden. (Hye: Wilten S. 104)

  2. Gerichtsherrschaft: Das Stift Wilten übte auch die niedere Gerichtsherrschaft aus. Mit der Abtretung des Gebiets der Altstadt und vermutlich einem Teil des Innrains an die Andechser entstand eine neue Gerichtsgrenze. Für den Markt bzw. die Stadt war jetzt ein eigener Richter des Grafen von Andechs zuständig. Neben sechs Gerichtsgeschworenen scheint er zum ersten Mal bereits in der Tauschurkunde von 1180 auf. Der Stadtrichter war als Stellvertreter des Stadtherrn in politischen, rechtlichen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten die oberste Instanz der mittelalterlichen Stadtverwaltung.

    Schon in der Stadtrechtsurkunde von 1239 wird angeführt, dass der Stadtrichter zwar vom Stadtherrn ernannt wurde, dafür aber die Zustimmung der Bürger einholte. Diese Mitbestimmung der städtischen Bevölkerung bei der Stadtverwaltung war ein wichtiger Schritt zur Ausbildung einer selbstständigen Stadtgemeinde.

    Ein Stadtrat wird erstmals für das Jahr 1315 urkundlich genannt, und bereits 1374 scheint erstmals für Innsbruck mit Günther von Raut ein Bürgermeister auf. Der Bürgermeister unterstand anfangs noch dem Stadtrichter, aber bereits 1393 nahm er dessen Stelle in der Stadtverwaltung ein. Dem Stadtrichter oblag später dann nur noch die Rechtssprechung.

    Ebenfalls seit 1315 nachweisbar ist das Amt des Kornmessers. Dem Kornmesser oblag es, alles Getreide, Weizen und Roggen, das zum Verkauf in Innsbruck einlangte, mit seinen Maßen zu messen. Über die seit 1333 in der Stadt nachweisbaren Brotbänke und die seit 1351 bestehenden Fleischbänke erfahren Sie ein andermal mehr im Kapitel über "Der Brunnen zwischen Stadtarchiv und altem Regierungsgebäude".

    In einem weiteren Tauschvertrag, den Graf Meinhard II. mit dem Stift 1281 schloss, wurde diese Gerichtsgrenze nach Süden ausgedehnt, die Vorstadt oder Neustadt (die heutige Maria - Theresienstraße) entstand. Bemerkenswert an diesem Tauschvertrag ist unter anderem, dass nicht mehr Grund und Boden sondern Rechte getauscht wurden. Graf Meinhard II. von Görz-Tirol - die Andechser waren 1248 ausgestorben, ihre Nachfolger, die Grafen von Tirol um 1253 - erhielt die volle Gerichtsgewalt über die Neustadt ("nova civitas in Insprukk"). Das Kloster erhielt dafür eine Zollbefreiung im Gesamtausmaß von 80 Saumlasten Wein. (Hye: Wilten S. 114) Diese Weinmenge, die das Stift von seinen Weingütern in Südtirol nach Wilten transportieren ließ, umgerechnet nach der Landordnung von 1525 sind das rund 12.600 Liter Wein, ist auch ein Hinweis auf die weiter unten angeführten Transporte über den Brenner.

  3. Wirtschaftliche und wirtschaftsgeschichtliche Folgen: Auf Grund des im Tauschvertrag vereinbarten Mühlenmonopols durfte Innsbruck keine Mühle errichten. Die Bürger mussten ihr Getreide lange Zeit nach Wilten in die Stiftsmühle bringen und dort zu Mehl mahlen lassen. Diese Stiftsmühle gab es bis 1944, sie stellt damit, wie Franz-Heinz Hye feststellt, "den ältesten und zudem kontinuierlich nachweisbaren Gewerbebetrieb in Innsbruck dar". (Hye: Wilten S. 123)

    Der von der Sill abgezweigte Mühlbach - der Sillkanal - dürfte spätestens um 1300 angelegt worden sein. Jahrhundertelang durften neue Mühlen nur auf Wiltener Grund als Wiltener Lehen gebaut werden. So wurden etwa um 1305 die Haid- oder Engelmühle (Südostecke Adamgasse - Salurnerstraße, abgerissen 1907), die Suster- oder spätere Hartlmühle sowie die Mittermühle, die spätere Hacken- oder Silberschmiede, gebaut.

    Ab dem erwähnten Schiedsspruch von Nikolaus von Cues 1453 errichteten die Bürger auch auf Innsbrucker Boden Mühlen, um 1486 etwa die Hofmühle (Sillgasse 21) und 1598 die Spitalmühle (Jahnstraße 19).

    Viele spätere Innsbrucker Großbetriebe nahmen ihren Anfang in der Kohlstatt bzw. am Sillkanal (Adambräu, Lodenfabrik Baur, Tuchfabrik Weyrer). Der Mühlkanal, ursprünglich für die Stiftsmühle angelegt und später erweitert, bildete lange Zeit auch die Grenze im (Süd) Osten zwischen Innsbruck und Wilten.

Innsbrucks Stadtgrenzen verschieben sich

Die Gründung Innsbrucks, vor allem aber die Einzelheiten des Tauschvertrags von 1180 zwischen Markgraf Berchtold V. von Andechs und Probst Heinrich I. von Wilten, hatten weitreichende Folgen. Bis 1180 hatte das ganze Gebiet zwischen Sill und Inn dem Stift Wilten gehört. Das Gebiet des Marktes wurde jetzt aus der Grundherrschaft des Klosters ausgeschieden. Jede weitere räumliche Ausdehnung Innsbrucks ging fortan auf Kosten Wiltens. In späterer Zeit konnte sich Wilten den Wünschen der Tiroler Landessfürsten immer weniger widersetzen.

Ausgehend vom Stadtkern bildeten sich im Laufe der Zeit strahlenförmig drei Straßenzüge heraus. [12]

Vor allem im 19. Jh. wurde die Fläche zwischen diesen Straßenzügen dann auf Grund der rasch wachsenden Bevölkerung verbaut. Vergleichen Sie dazu bitte unter: >> Bevölkerungsentwicklung in Innsbruck >>

Die Stadtgrenze nach Osten

Zunächst waren es nur Einzelvereinbarungen mit Innsbrucker Bürgern, die nach dem Zinslehensrecht den heutigen Saggen bewirtschafteten. Wilten blieb dabei Grundherr. Erst ab etwa 1896 wurde dieses Wiesengebiet zugebaut. Die Grundstücke wurden ab 1868 mit der Auflage, den Gartencharakter des Viertels zu wahren, eingeteilt.

Nach Osten - dem Angerfeld (vgl. Angerzellgasse) - verschob sich die Grenze allmählich bis auf die Linie der heutigen Weinhartstraße, wo um 1700 das städtische Lazarett erbaut wurde. Bereits um 1500 entstand mit dem Bau des Äußeren Zeughauses an der Sill im heutigen Stadtteil Dreiheiligen ein Industrieviertel mit der Bezeichnung Kohlstatt. Das Zeughaus war eines der bedeutendsten Waffenlager Europas.

Die Stadtgrenze nach Süden

Südöstlich lag die Grenze auf der Höhe der heutigen Museumstraße, wo die ehemalige Hofmühle errichtet wurde (Sillgasse 21). Laut der Hofbrunnenordnung von 1540 wurde die Hofmühle mit Sillwasser aus dem Sillkanal (kleine Sill) mit Trinkwasser beliefert, das auf Kosten des Herrschers in einem Rohr direkt in die Küche gleitet wurde.[14] Nördlich davon befand sich das sogenannte Wiltener Neuraut. Der weitere Grenzverlauf folgte dem Sillkanal auf der Strecke Sillgasse - Adamgasse bis zur Welsergasse (damals Haid(en)gasse) und weiter nach Westen auf der Höhe der heutigen Salurnerstraße bis zur Ecke der heutigen Maria - Theresienstraße.

Erwähnt sei noch, dass der Ausbau des Verkehrsnetzes im 19. und 20. Jh. ebenfalls auf Wiltener Grund erfolgte. Für den Bau der verschiedenen Eisenbahn- und Straßenbahnstrecken, Werkstätten, Remisen, Lagerhallen, Zollhäuser, Hotels, Wohnhäuser und Lagerplätze trat Wilten rund 9 ha Grund ab.[15] Diese Entwicklung ging auch nach der Eingemeindung weiter, später kam dann noch der Bau der Autobahnstrecken hinzu.

Auf dem Bahnhofsplatz wurde übrigens 1906 auch der von Johann Freiherr von Sieberer gestiftete (alte) Vereinigungsbrunnen errichtet, der an die Eingemeindungen und somit an die Entstehung von Groß - Innsbruck erinnern sollte. Dieser Brunnen mußte 1940 der Straßenbahn weichen. Teile dieses Brunnens sind erhalten geblieben. Mehr dazu demnächst im Kapitel "Der Brunnen vor dem Dom".

Die Stadtgrenze nach Westen

Das Gebiet westlich der Altstadt und später auch der Neustadt - das Wiltener Feld - blieb bis in die Mitte des 19. Jhs. weitgehend unberührt. Bis auf schmale Gartenanlagen entlang der Neustadt und dem Ziegelofen (Innrain Nr. 100 und 102) blieb es lange unverbaut.

Südwestlich war die Grenze zwischen Wilten und Innsbruck die heutige Maximilianstraße, die bis 1899 Grenzstraße hieß und bis zum Bahnhof reichte. Die ungeraden Hausnummern zählten zu Wilten, die geraden zu Innsbruck. Seit der Eingemeindung Wiltens 1904 ist sie die Stadtteilgrenze.

Erst ab ca. 1870 wurde dieses Gebiet vor allem im Zusammenhang mit dem Bau der Arlbergbahn verbaut. Die heutigen Straßenzüge im Gründerzeit - Stil mit den vielen grünen Plätzen entstanden. 1904 war die westliche Grenze zwischen Innsbruck und Wilten die Ecke Innrain/ Rechengasse, wo im 18. Jh. ein Grenzstein mit den zwei Wappen aufgestellt worden ist (vgl. Hye: Wilten S. 119f).

Der östliche Teil des Innrain gehörte bereits sehr früh zu Innsbruck, vielleicht bereits 1180 als Grünzone des Marktes, spätestens aber ab 1440. Hier entstand bereits ab 1648 ein Marktplatz, der seinen Ausgang als offener Viehmarkt nahm. Um 1717 wurde hier auch eine städtische Fleischbank angelegt. Verkaufsboutiquen auf dem 1765 zugeschütteten Stadtgraben folgten, der Abschnitt wurde so allmählich zum Innsbrucker Marktplatz. 1913/14 entstand auch eine erste Markthalle am Herzog-Sigmund-Ufer, an die der Bau der bestehenden Markthalle 1959/60 nahtlos anschloss. Der 1914 aufgestellte Tierschützer Brunnen, der heute noch am Terminal Trinkwasser spendet, wurde nicht zufällig hier errichtet. 1924 entstand am Innrain - Platz eine offene Markthalle für 72 Standplätze. Der Brunnen an der Bushaltestelle vor der Markthalle mit seinen netten Trinkschälchen für Hunde und Vögel musste leider der Tiefgarage weichen.

Wilten als Klinik-, Gerichts- und Universitätsviertel wie wir es heute kennen, entstand in dieser Form erst in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bzw. erst Ende des 20. Jahrhunderts.

Prägende Faktoren für Innsbruck und seine Geschichte

Handel und Verkehr

Regionaler und überregionaler Handel waren entscheidende Faktoren bei der Entstehung Innsbrucks. 24 von 40 Städten in den Alpen, die zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert entstanden, lagen an den Haupttransitrouten. Die wichtigste Transitroute war schon damals die Straße über den Brenner. Sie folgte einem Strang der alten Römerstraße Via Claudia Augusta. Vor allem im 13. Jh. nahm der Verkehr zwischen Süd und Nord enorm zu. Der Aufstieg Venedigs zur Handelsmacht bewirkte in Tirol einen Ausbau der Handelswege, denn mit dem Handel waren beträchtliche Zolleinnahmen zu erzielen. Die Brennerstrecke war bereits um 1300 weitgehend mit Wagen befahrbar, während die anderen Alpenübergänge noch längere Zeit nur mit Saumtieren begehbar blieben.

Schwachstelle des Brennerweges war die Strecke zwischen Klausen und Bozen. Die Straße von Bozen führte bis zur Erbauung des Kuntersweges über den Ritten und erreichte erst bei Kollmann wieder das Eisacktal. Der Weg durch die Eisackschlucht war nicht passierbar. Heinrich Kunter war ein Bozner und Haller Bürger und Wegbauer. Er bekam am 22. September 1314 von Graf Heinrich von Tirol den Auftrag einen Weg durch die Eisackschlucht von Bozen bis Klausen zu bauen. Dieser Weg wurde für Saumtiere begehbar gemacht. Für die Benutzung des "Kuntersweges" durfte der Kaufmann Zoll kassieren. Befahrbar wurde dieser Saumpfad erst im 15. Jh. gemacht. Kunter baute übrigens auch die "Salzstraße" von Hall über das Mittelgebirge bei Igls nach Matrei aus, womit Innsbruck umgangen wurde.

Um 1300 machten die Einnahmen aus Zöllen rund ein Achtel der Jahreseinkünfte des Landesfürsten aus. Die Landesfürsten sorgten aber auch dafür, dass auch die Bevölkerung Vorteile aus dem Straßenverkehr zog. Durch den "Straßenzwang" war es den Händlern untersagt, andere Straßen zu benutzen als jene, an denen die Zollstätten lagen. Durch das "Niederlagsrecht" waren die Händler gezwungen, ihre Waren in den privilegierten Orten abzuladen und Unterkunft zu nehmen.

Der Transport erfolgte durch einheimische Fuhrleute im Rahmen des "Rodfuhrwesens" zum jeweils nächsten Niederlagsort, das waren für Innsbruck Zirl und Matrei am Brenner. Das Rodfuhrwesen, bei dem die Waren von lokalen Kurzstreckenfrächtern von einer Rodfuhrstation zur nächsten befördert und dort in einem Ballhaus oder Ballenstadel auf das nächste Fuhrwerk umgeladen und dabei verzollt wurden, wurde vor allem von (Nebenerwerbs-) Bauern betrieben. Sie wechselten sich dabei in einer streng festgelegten Reihe (zu "Rod" vgl. Rad, Reihe) ab. Neben den Bauern und den Gastwirten profitierten auch andere Berufsgruppen, etwa die Bäcker, Träger, Wagner, Schmiede, Sattler, Seiler (vgl. die Seilergasse) und die Fassbinder. [16]

Um 1300 wurden rund 4.000 Tonnen Waren über den Brenner transportiert. Die Warenmengen stiegen bis 1340 auf 5.000 Tonnen an, nach der Großen Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts sanken sie auf 3.500 Tonnen im Jahr 1400. Erst um 1500 erreichte die Warenmenge wieder 5.000 Tonnen, bis 1600 verdoppelte sie sich dann auf 10.000 Tonnen (vgl. Riedmann: Mittelalter S. 532).

Der Straßenausbau diente dem überregionalen und dem regionalen Handel. Inneralpin waren die wichtigsten Handeslgüter Wein, Salz und Erz. Salz wurde in großen Mengen in Hall produziert, 1296 waren es an die 2.800 Tonnen (vgl. Riedmann: Mittelalter S. 538). Schwaz war der führende europäische Silber- und Kupferproduzent im 15. Jh. Hauptumschlagplatz für Wein war Bozen, der Handel mit dem südbayrischen und schwäbischen Raum erfolgte zu einem Großteil über Innsbruck. 1305 besaß Stift Wilten bereits 39 Weingüter in Südtirol. Das wichtigste Weingut war der Bloshof in St. Pauls, der zwischen 1480 und 1617 bis zu 655 Yhren Rot- und Weißwein produzierte. Da eine Yhre 61,14 Liter entspricht, waren das also über 40.000 Liter Wein. Der Stiftsfuhrmann von Wilten holte alljährlich im Winter 2/3 der Weinernte mit einem Pferdefuhrwerk ab (vgl. Steinegger: Wirtschaftsgeschichte S. 70). Der Wein, der nicht für die Messenzelebration und den täglichen Tischgebrauch konsumiert wurde, kam in der Taverne - dem Gäste- oder Leuthaus, in vier Wiltener Gasthöfen sowie den Innsbrucker Gasthäusern zum Ausschank. Der freie Verkauf besserte die Klostereinkünfte zusätzlich auf. Weitere Handelsgüter waren Getreide, Käse und Felle sowie die typischen Produkte des Südens. In dieser Zeit setzte sich auch allmählich das Geld als Hauptzahlungsmittel durch.

Über Innsbruck lief auch ein guter Teil des Handels der Fugger und Welser aus Augsburg mit Venedig. Zeugnis für den Handelsweg über den Seefelder Sattel legt etwa das Fuggerhaus beim Alten Landhaus ab. Wichtigste überregionale Handelsgüter waren neben den bereits genannten vor allem Textilien (Brachent), Glas, Öl, Wachs, Honig, Seife, Gewürze, Baumwolle, Südfrüchte und Seidenstoffe (vgl. Brandstätter: Verkehr und Handel S. 268). Man darf wohl auch annehmen, dass über Innsbruck auch ein Teil des Zuckerhandels lief, auf den Venedig ein Monopol hatte (Zuckerrohrplantagen auf Zypern). Zucker war damals extrem teuer und wurde in Apotheken gehandelt und grammweise gewogen.

Regierung und Verwaltung

Neben dem Handel, der ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung Innsbrucks und anderer Städte war, und der durch die bequeme neue Innbrücke natürlich gefördert wurde, war es für die weitere Stadtentwicklung aber entscheidend, dass weitere begünstigende Faktoren hinzukamen.

Förderlich für Innsbruck war vor allem, dass es ab 1420 Verwaltungs- und Regierungszentrum wurde, auch wenn Meran bis 1848 formal die Hauptstadt Tirols blieb. Gerade etwa die zeitweilige Anwesenheit Kaiser Maximilian I. in Innsbruck regte die Bautätigkeit besonders an. Um 1600 bestand die Altstadt aus rund 80 Häusern. Die meisten davon entstanden in der Zeit Maximilians. Das Stift Wilten unterhielt rege Geschäftsbeziehungen zu den Innsbrucker Gewerbetreibenden. Bis ca. 1740 und teilweise bis 1840 lieferte es konkurrenzlos die Baumaterialien aus dem Schiefersteinbruch am Bergisel, der Lehmgrube und der Sandgrube am Inn und am Bergisel. In der Stiftsziegelei wurden in den zwei Brennöfen abwechselnd von Mitte Februar bis Ende September Kalk und Ziegel gebrannt. Die Ziegelerzeugung betrug pro Jahr schätzungsweise 300.000 Ziegel (Steinegger: Wirtschaftsgeschichte S. 68). Die genannte Lehmgrube "außerhalb der Figgen" befand sich übrigens nordwestlich des heutigen Ziegelstadels, 1874 wurde dort die Ziegelei Norer errichtet, seit 1940 befindet sich das Gelände im Besitz der Justizverwaltung (Strafvollzugsanstalt Ziegelstadel). Diese Lehmgrube lieferte später auch das Rohmaterial für den landesfürstlichen Ziegelstadel am Innrain.

Die zentrale Verwaltung blieb auch in Innsbruck, als mit Erzherzog Sigmund Franz (Sohn von Erzherzog Leopold V. (in Tirol 1619-1632) und dessen Gattin, der 1648 gestorbenen Claudia von Medici) 1665 auch die jüngere Tiroler Linie der Habsburger ausgestorben und das Land fortan zentral von Wien aus regiert worden ist. Die Verwaltung blieb in den folgenden Jahrhunderten der wichtigste Faktor für das Wachstum der Stadt, während der Handel eher stagnierte. Insgesamt blieb die Bevölkerungszunahme bis ins 19. Jh. bescheiden. Durch die Entwicklung zum Verkehrskotenpunkt im 19. und im 20. Jh. vollzog sich der Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft, vor allem der Fremdenverkehr kurbelte den Handel und das Wachstum der Stadt wieder an.[17]


Anmerkungen

[1] Vgl. Sie hierzu und im Folgenden Franz-Heinz Hye: "Von der Wiltener Filialkirche zum Bischofsdom St. Jakob". In: Der Dom zu St. Jakob. Festschrift zum 350 Jahr - Jubiläum. Innsbruck 1993. Seite 11f.

Sowie: Josef Riedmann: Geschichte des Landes Tirol. Band 1 "Mittelalter", Seite 293 - 632. Innsbruck, 2. Auflage 1990. ISBN 88-7014-390-2. Seite 376f.

Zum Stadtteil Hötting und zum Verlauf der alten Landstraße Vgl. >> Der Stadtteil Hötting >>

Mehr zu Herkunft und Wirken der Grafen von Andechs-Meranien erfahren Sie unter: >> Geschichte der Gemeinde Andechs >>

[2] Schachtbrunnen sind aus den Wasserlöchern der Vorzeit entstanden. Genauere Informationen über die verschiedenen Brunnenarten mit schematischen Zeichnungen der Brunnen finden Sie unter: >> Brunnenarten >> Sprachgeschichtlich vielleicht interessant: Laut den "Alfler Dorfgeschichten", Alflen ist ein Dorf in Rheinland-Pfalz, hießen Ziehbrunnen dort "Petz". Im Westtirolischen ist eine "Pitze" die Bezeichnung für einen Bewässerungsteich. Vgl. Karl Finsterwalder: "Tiroler Familienkunde: Sprach- und Kulturgeschichte von Personen-, Familien- und Hofnamen". Innsbruck 1994. ISBN 3-7030-0218-2. Seite 206.

Mehr zu den Alfler Brunnenbezeichnungen finden Sie unter: >> Alfler Dorfgeschichte(n) >>

[3] Vgl. Ingrid Huemer-Plattner: "Die Stadt wird immer durstiger". In: Stadt im Gebirge. Leben und Umwelt in Innsbruck im 19. Jh..Hg. Elisabeth Dietrich. Studien Verlag 1996. ISBN 3-7065-1166-5. Seite 112.

[4] Vgl. Alois Fridrich: "Die ältesten Laufbrunnen Innsbrucks" in der Tiroler Tageszeitung 1953, Nr. 156/ Seite 6.

[5] Diese Brunnen der Innsbrucker Altstadt werden Ihnen nach und nach auf weiteren Seiten vorgestellt.

[6] Eine sehr detailierte Beschreibung des Brunnens sowie schöne Bilder dazu finden Sie unter: >> Öffentliche Brunnen in Berlin >>

[7] Der erwähnte Großbrand im Jahr 1390 setzte in Innsbruck einen Wandel in der Verwendung der Baumaterialien in Gang. Die meisten der vor 1600 entstandenen 80 Häuser der Innsbrucker Altstadt sind unter Maximilian erbaut worden. Später standen in der Altstadt ungefähr 130 Häuser, die einen entsprechenden Wasserbedarf zur Folge hatten.

Um 1500 hatte Innsbruck ungefähr 5.000 Einwohner und Einwohnerinnen. Der landesfürstliche Hofstaat wuchs unter Erzherzog Sigmund von rund 200 Personen Mitte der sechziger Jahre auf 500 Personen im Jahr 1490. Zum Vergleich: 1491 arbeiteten im Schwazer Bergwerk 4.000 Knappen. Das dem heutigen Bundesland Tirol entsprechende Gebiet hatte um 1427 an die 70.000 Einwohner und Einwohnerinnen. Zur Bevölkerungsentwicklung vgl.: Josef Riedmann: Geschichte des Landes Tirol. Band 1 "Mittelalter". Seite 502 und Seite 516f.

[8] Ludwig von Wittelsbach, Markgraf von Brandenburg, war der Sohn von Kaiser Ludwig der Bayer. Graf von Görz-Tirol war er von 1342 - 1361. Ludwig war ein Förderer des Städtewesens. Zu seiner Mitwirkung am Alten Rathaus vgl. Franz-Heinz Hye: "Städtepolitik in Tirol unter Meinhard II. und seinen Nachfolgern (bis 1363)". In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. - Das Werden Tirols. Tiroler Landesausstellung 1995. Seite 274 - 282.

[9] Johann Georg Schädler (Konstanz 1777 - 1866 Innsbruck) lebte ab 1804 in Innsbruck. Von ihm stammt auch eine bekannte Radierung des Leopoldsbrunnens. Sie stellt den von Caspar Gras zwischen 1622 und 1630 geschaffenen Lustbrunnen für Leopold V. gänzlich anders dar als die nicht unumstrittene Form, die der Leopoldsbrunnen 1893, nachdem der Plan für die ursprüngliche Gestaltung verlorengegangen war, durch Johann Wunibald Deininger erhielt. Mehr zur wechselvollen Geschichte des Leopoldsbrunnens in einem späteren Teil dieser Serie.

[10] Vgl. Neue Tiroler Zeitung 1974, Nr. 278/ Seite 3.

[11] Vgl. hierzu und im Folgenden Franz-Heinz Hye: "Wilten und Innsbruck - Geschichte einer mehrschichtigen Zweierbeziehung." In: 850 Jahre Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten. 1138 - 1988. 2. Auflage 1989. Hrg. Stift Wilten. Buchverlag Tiroler Tageszeitung. ISBN 3-85301-001-6. Seite 103 - 128. S. 111f.

[12] Vgl. Sie dazu Regina Knitel, Arnold Profanter, Markus Gassler: "Die Stadt unter dem Mikroskop" In: Stadt im Gebirge. Leben und Umwelt in Innsbruck im 19. Jh..Hg. Elisabeth Dietrich. Studien Verlag 1996. ISBN: 3-7065-1166-5. Seite 12 - 51. Seite 16ff.

[13] Vgl. Sie dazu Franz-Heinz Hye: "Der Innrain - als Stadtviertel" In: Diözesanausstellung - Die Johannes von Nepomuk-Kirche am Innrain und die Baumeisterfamilie Gumpp in Innsbruck. Innsbruck 1985, S. 56 - 68

[14] Vgl. Sie dazu Franz-Heinz Hye: "Zur Geschichte der Trinkwasserversorgung der Landeshauptstadt Innsbruck (bis 1887)" In: Gas Wasser Wärme. Zeitschrift der österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach und des Fachverbandes der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen, 29.Jg., Wien 1975, Seite 224 - 230.

Hye gibt an dieser Stelle auch an, dass auch das Haus des Postmeisters Joseph von Taxis an der Maria - Theresien - Straße unterhalb des Alten Landhauses bzw. der damaligen Plattnerei sowohl mit Sillwasser als auch mit Weiherburger Quellwasser versorgt wurde. Die Zuleitung erfolgte über die erwähnte "Haid" - oder Welsergasse, deren oberster Abschnitt als Schrägverbindung von der Adamgasse zur Salurner Straße noch heute besteht. Ursprünglich führte diese Gasse von der oberen Pulvermühle (Adamgasse 13) nordwestlich weiter bis zur Alten Post in der Maria - Theresien - Straße.

[15] Vgl. Sie dazu Fritz Steinegger: "Das Stift Wilten und seine Wirtschaftsgeschichte" In: 850 Jahre Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten. 1138 - 1988. 2. Auflage 1989. Seite 61 - 84. Seite 79f.

[16] Vgl. Sie dazu Klaus Brandstätter: "Verkehr und Handel". In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. - Das Werden Tirols. Tiroler Landesausstellung 1995. Seite 267 - 273.

Zur Geschichte des Handels und den Beziehungen mit Venedig vgl. Sie auch die Projektarbeit eines Kursteilnehmers unter: >> Geschichte Venedigs >>

[17] Vgl. Sie dazu Franz Mathis: "Städtewachstum in den Bergen. Das Beispiel der österreichischen Alpen." ( PDF Dokument) unter: >> Städtewachstum in den Bergen >>


Lesetipps

In jüngerer Zeit sind zwei sehr lesenswerte Jugendbücher erschienen, die auch zur Geschichte Tirols im Mittelalter und der frühen Neuzeit sehr gut recherchiert sind.

Lene Mayer-Skumanz: "Der Adlergroschen"
Tyrolia Verlagsanstalt 1995, ISBN: 3702220062. 231 Seiten. Das Buch beschreibt das Schicksal von vier Stamser Kindern und die Gründung von Stift Stams durch Meinhard II. im Jahr 1273. In unserem Zusammenhang interessant ist die Schilderung der Trinkwasserversorgung Bozens durch Ritschen.

Meinhard II. war eine herausragende Herrscherpersönlichkeit des 13. Jhs., er gilt als Gründer der politischen Einheit Tirols. Ihm gelang es, das Gebiet der Bischöfe von Brixen und Trient, das Inntal (hier vor allem die Saline Hall) und das Außerfern hinzuzugewinnen. Die bedeutendsten Leistungen Meinhards II:

Politisch bedeutsam für Tirol und Österreich wurde die Freundschaft Meinhards II. mit dem späteren deutschen König Rudolf von Habsburg. Seine Tochter, Elisabeth von Görz-Tirol, heiratete 1274 Albrecht I. von Habsburg, den Sohn Rudolfs und wurde zur Stammmutter aller Habsburger. Dazu ein andermal mehr im Kapitel "Rudolfsbrunnen", der anlässlich der 500 jährigen Zugehörigkeit Tirols zu Österreich 1863 initiiert und 1877 auf dem damals Margarethenplatz genannten Boznerplatz eingeweiht wurde.

Helmut Schinagl: "Flucht im kalten Feuer. Ein Paracelsus - Roman"
Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 1993, ISBN: 3 - 7022 - 1884 - X. 204 Seiten. Der Roman handelt in den Jahren 1531 - 1534 und schildert sehr anschaulich die Verhältnisse in Tirol im 16. Jahrhundert sowie Leben und Leiden im Silberbergwerk Schwaz.

Kontakt zum Autor der Brunnengeschichte- und Trinkwasserserie

© Oswald Zangerle, E-Mail: >> E-Mail >>

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