BIANCA MARIA SFORZA

Mailand war im Besitz der Familie Sforza und sehr reich. Bianca Maria war deshalb für Maximilian interessant. Wie die meisten Habsburger steckte er ständig in Geldnöten. Zudem war Mailand politisch wichtig, da das Herzogtum eine Schlüsselposition im Ringen um Italien zwischen Kaiser und Frankreich darstellte.

Im November 1493 wurde die Ehe zwischen Kaiser Maximilian I. und Bianca Maria Sforza per procurationem geschlossen, wie es in Fürstenhäusern üblich war. Der Fürst entsrandte dabei einen Stellvertreter. Die Braut lag im Bett, der Fürst (oder Stellvertreter) entblößte sein rechtes Bein oder steckte sein entblößtes Bein zu ihr ins Bett. Damit war die Ehe symbolisch konsumiert. Dies geschah meist in der Heimat der Braut.  
Grundsätzlich war der Vollzug der Ehe lange Zeit eine öffentliche Angelegenheit. Im Angesicht des versammelten Hofes wurde ein Bett aufgestellt, in dem Ehegemahl und Ehegemahlin vor versammeltem Hof die Ehe vollzogen. Auf Privatsphäre wurde keine Rücksicht genommen.

Anfang Dezember 1493 machte sie die einundzwanzigjährige Braut mit ihrer kostbaren Fracht an Kleidern, Schmuck und wertvollen Gebrauchsgegenständen auf den gefährlichen und schweren Weg über die verschneiten Alpen von Mailand nach Tirol. Kurz vor Weihnachten 1493 traf sie in Innsbruck ein. Maximilian war jedoch nicht anwesend und ließ sie bis zum Frühjahr warten.
Die Hochzeit fand dann im März 1494 in Innsbruck und in Hall statt. Es war keine Liebesehe, es ging eigentlich nur um Geld und Politik.
Wenige Monate nach der Hochzeit beklagte sich Maximilian, dass Bianca zwar genauso schön sei wie seine erste Frau, aber einen sehr mittelmäßigen Verstand besitze.

Innenhof zur Hofburg zur Zeit Maximilians I. von A. Dürer

Maximilian war selten in Innsbruck, wo Bianca Maria in der Hofburg wohnte. Auf gemeinsamen Reisen kam es sogar vor, dass Maximilian wegen Geldmangels den Aufenthalt für sich und sein Gefolge nicht bezahlen konnte und seine Gattin daher als Pfand zurückließ. Oft musste sie auch ihren Schmuck versetzen.
Eigentlich war ihr Leben in der Innsbrucker Hofburg tragisch. Sie war eine ungeliebte Frau, die keine Kinder bekam und damit ihrer wichtigsten Pflicht nicht nachkommen konnte. Bald verlor Maximilian ganz das Interesse an ihr. Für seine Vergnügungen hatte er seine "Schlafweiber". Bianca Maria schrieb ihm innige Liebesbriefe, die er kaum beantwortete.

Wie äußerte sich nun diese Vernachlässigung bei ihr? Sie aß viel und üppig und wurde dick. Ein Zeichen ihrer Extravaganz war, dass die Kaiserin kniend oder sitzend am Boden aß. Zur übergroßen Esslust kamen laufend Krankheiten. Gerne aß sich auch Gänsezungen. Am Hof fiel auch ihre übertriebe Putzsucht auf. Sie legte sehr großen Wert auf modische Kleidung und wertvollen Schmuck, kaufte in Italien kostbare Stoffe, Parfüms und Haarpflegemittel, in Deutschland Juwelen. Eigentlich wollte sie durch all diese Aktionen und ihre Krankheiten die Aufmerksamkeit ihres Gatten auf sich richten. Es gab aber auch Perioden, wo sie extrem dünn war.
Das Leben in der Hofburg war langweilig. Bianca Maria spielte oft Karten und stickte sehr viel. Ab und zu fand sie in einer Jagd Abwechslung. Sie erlernte die deutsche Sprache nie richtig und umgab sich mit einer Dienerschar aus ihrer italienischen Heimat.

Heute wissen wir, dass sie seelisch krank war, lieblos von ihrem Gatten behandelt wurde und sich selbst als an den Rand gedrängt fühlte.

© a. prock